Wenn ein Meter fehlt: Wie der Hafen Wien mit dem Niedrigwasser umgeht

Wirtschaft

Langsam wird einer der vielen bunten Container aus der Masse nach oben gehoben. Die Containerkranbrücke dreht die tonnenschwere Kiste um 180 Grad, bevor sie langsam auf einen klein wirkenden Lkw gesetzt wird. Fertig zur Abfahrt. Ein paar hundert Meter weiter legt die „MS Eisvogel“ vom Hafenufer ab. Gleich daneben schwimmt ein großes Frachtschiff, von oben ist der Kies in seinen Laderäumen zu sehen. Auf den drei Millionen Quadratmetern (300 Hektar) des Hafen Wiens passiert an einem gewöhnlichen Mittwoch einiges. Und doch ist derzeit etwas anders: Dem Hafenbecken fehlt fast ein Meter Wasser.

So geht es der ganzen Donau. Seit Juli ist der Wasserstand auf außergewöhnlich niedrige Werte gesunken. Auch am Hafen Freudenau im zweiten Bezirk ist das mit einem Wasserpegel von 2,10 Meter zu merken. Normalerweise liegt er bei 2,90 Meter.

Wenn das Wasser fehlt

Rund 20 Prozent des Güterumschlags am Hafen Wien werden wasserseitig abgewickelt. Das Niedrigwasser wirkt sich dabei vor allem indirekt auf den Hafenbetrieb aus. Weil Schiffe auf der Donau derzeit nicht voll beladen werden können, kommen in Wien auch leichter beladene Schiffe an. „Wir hatten diese Woche ein Schiff mit Tierfutterpellets da. Das hatte nur 350 Tonnen statt 1.000 Tonnen geladen“, erklärt die technische Geschäftsführerin Doris Pulker-Rohrhofer beim Hafenrundgang mit dem KURIER. Der Tiefgang des Schiffes lag dadurch bei 1,5 Metern, bei voller Beladung wären es 2,8 Meter gewesen.

Das bedeutet: Um dieselbe Menge an Ware zu transportieren, braucht es mehr Schiffe. Gleichzeitig kommen diese laut Pulker-Rohrhofer unregelmäßiger an, etwa weil sie an seichten Stellen vorübergehend nicht weiterfahren können. Wie stark sich Verzögerungen auswirken, zeigt sich in den Zahlen: Im ersten Halbjahr 2026 wurde 27 Prozent weniger Tonnage über die Wasserseite abgefertigt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

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Dabei ist das niedrige Wasser kein neues Problem dieses Jahres. Bereits im Jänner lag der Wasserstand unter dem langjährigen Mittel: am Richtwert Korneuburg fehlten mit 2,4 Metern rund 50 Zentimeter auf den Mittelwert. Zusätzlich behinderte damals Eis die Schifffahrt. Als die Pegel im Februar wieder stiegen und das Eis schmolz, konnten die Schiffe ihre Fahrten wieder aufnehmen. Damit entstand im Hafen innerhalb kurzer Zeit ein Rückstau an Schiffen, die nach und nach abgefertigt werden mussten. Ob im Herbst gleiches passieren wird, bleibt abzuwarten. „Wir hoffen auf das Wasser“, sagt Pulker-Rohrhofer.

Ausreichend Lagermöglichkeiten

Für den Hafen selbst bedeutet die Wassersituation nicht automatisch Stillstand. Die Logistik über den Schiffsweg ist langfristig geplant, und der Hafen kann auf andere Teile seiner Infrastruktur zurückgreifen. Besonders wichtig sind dabei die Lagerflächen. Mehr als 65.000 Quadratmeter gedeckte Lagerfläche stehen am Hafen Wien zur Verfügung. „Auch durch das Niederwasser bedingt haben wir einen Kunden, der jetzt schon die vierte Lagerbox bei uns anmietet“, sagt Pulker-Rohrhofer. Wenn Schiffe ihre Ladung nicht wie geplant transportieren können, werden Zwischenlagerungen wichtiger.

Von dort kann die Ware später auf Lastwagen oder die Bahn umgeschlagen werden. Der Hafen Wien ist trimodal aufgebaut und verbindet Wasserweg, Bahn und Straße. Gerade bei schwierigen Bedingungen auf der Donau wird diese Infrastruktur zum Puffer für die Warenströme.

Das andere Extrem

Dass der Hafen dabei nicht nur vom Niedrigwasser abhängig ist, zeigt ein Blick zurück auf das …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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