
Felix Gall (28) steht seit seinem zweiten Platz beim Giro d’Italia im Fokus. Bei der Vuelta wird der Osttiroler als erster Herausforderer des slowenischen Superstars Tadej Pogacar gesehen.
KURIER: Was hat der zweite Platz beim Giro d’Italia mit Ihnen gemacht?
Felix Gall: Nach dem letzten Jahr habe ich meine Ziele neu definiert. Wenn du bei der Tour de France Fünfter wirst, dann sollte man laut Papierform ja beim Giro oder der Vuelta ums Podium mitkämpfen können. Trotzdem war für mich die Vorstellung, auf dem Podest zu stehen, weit weg. Jetzt habe ich es aber schwarz auf weiß, dass ich es draufhabe. Wobei ich beim Giro von mir fast selbst ein wenig überrascht war.
Inwiefern?
Dass ich zum Beispiel drei Wochen so konstant und sehr souverän war. Im Gegensatz zu früheren Grand Tours hatte ich keinen schlechten Tag.
Macht das der Erfahrungsschatz? Die Vuelta ist schon die achte dreiwöchige Rundfahrt, die Sie fahren.
Ich bin auf jeden Fall körperlich noch einmal stärker geworden und habe da einen Schritt gemacht. Ich habe für mich inzwischen auch den richtigen Mittelweg zwischen Belastung und Erholung gefunden. Mein Körper ist belastbarer, ich kann härtere Einheiten leichter verkraften. Meine Konstanz spielt dann sicher auch eine Rolle.
Was hat sich sonst geändert seit Ihrer ersten Grand-Tour, dem Giro d’Italia 2022?
Am meisten ist bei der Ernährung weitergegangen. Inzwischen wird alles genau abgewogen und auf jeden Fahrer abgestimmt. Und das passiert nicht nur bei der Rundfahrt, sondern ist auch ein Bestandteil in der Vorbereitung. Alle Bereiche sind über die Jahre professioneller geworden. Und was sicher ein wichtiger Punkt ist: Ich kenne meinen Körper besser.
Sie wirken sehr gelassen.
Das ist auch so. Weil ich weiß, was bei der Vuelta auf mich zukommt und ich die Abläufe kenne. Ich schlafe heute besser als bei meinen ersten Grand Tours. Damals war ich oft so erschöpft, dass ich Schlafprobleme hatte.
Was sind dann noch klassische Stresssituationen?
Der Start in eine Grand Tour verläuft immer eher turbulent. Das legt sich dann, wenn man die erste schwere Etappe hinter sich hat. Beim Giro waren die letzten Etappen mental herausfordernd, als sich abgezeichnet hat, dass es der zweite Platz werden kann. Da war ich leer und gereizter als sonst.
Sind Ihre Ansprüche gestiegen mit dem Giro?
Natürlich ist die Erwartungshaltung jetzt eine andere. Weil ich einfach gesehen habe, was möglich ist. Meine Saison ist jetzt schon wahnsinnig gut, insofern ist alles, was bei der Vuelta kommt, eine Draufgabe. Ich bin einerseits motiviert und andererseits extrem gelassen, das ist eine gute Mischung.
Geht’s, provokant gesagt, nur um den zweiten Platz hinter Superstar Tadej Pogacar?
Er ist ein Mensch und wird nach der Tour de France sicher ein bisschen müde sein. Aber da muss schon einiges schiefgehen, dass er nicht gewinnt. Tadej ist mit 95 Prozent noch der Allerbeste.
Bei der Vuelta sind die Fahrer enormer Hitze ausgesetzt. Wie wappnen Sie sich?
Grundsätzlich habe ich es lieber, wenn es heiß ist. Ich trinke sicher mehr als sonst, aber da kommt man an die Grenzen. Mehr als eineinhalb Liter pro Stunde verträgt der Körper nicht. Die Kälte zehrt dich aus, da kannst du wenig tun, …read more
Source:: Kurier.at – Sport



