Ungarischer Autor Péter Nádas gestorben

Kultur

Der renommierte ungarische Autor Péter Nádas ist tot. Er war ein europäischer Großmeister des Erzählens; im Zentrum seines Werkes stehen die verheerenden Ideologien des 20. Jahrhunderts und die Schrecklichkeiten, die diese Ideologien im Leben der Menschen anrichten.

Nádas wurde am 14. Oktober 1942 in Budapest geboren. Er überlebte den Holocaust mit seinen Eltern in Verstecken und mit falschen Papieren. Nach seiner Tätigkeit bei Zeitungen in den 1960er-Jahren wurde Nádas freischaffender Schriftsteller. Den Durchbruch brachte vor allem im deutschsprachigen Raum das 1.300 Seiten starke Werk „Buch der Erinnerung“, das 1991 auf Deutsch erschien. 17 Jahre arbeitete der Autor an den 1.700-seitigen „Parallelgeschichten“ (dt. 2012). „Aufleuchtende Details“ (dt. 2017) umfasst fast 1.300 Seiten.

„Wissen ist aus der Mode geraten“

Als „großen Vermesser der europäischen Seelenlandschaft“ bezeichnet die Literaturkritikerin Iris Radisch den ungarischen Autor. Dieser hatte zuletzt auch gesellschaftliche Entwicklungen offen kritisiert: „Wir sind in eine Gesellschaft der haltlosen Meinungen gerutscht. Wissen ist dadurch démodé geworden. Durch Meinungen kommt man jedoch nicht nur nicht zu Wahrheiten, sogar zu einfacheren Fakten nicht“, sagte er in einem ausführlichen KURIER-Interview. „Wir verdanken dem elektronischen Zeitalter, dass die gröbsten Beschimpfungen, die schon immer da gewesen waren und das Morden nicht nur ersetzen, sondern auch einleiten konnten, nicht nur einem kleinen Kreis vorbehalten blieben, nicht nur in der Kneipe, nicht nur im Duschraum der Sportvereine, nicht nur in den Katakomben der politischen Verschwörungen blühen, sondern auch die Zeitungen und die Parlamente erreichten.“

Monumentale Arbeit an Mammutwerken

Seine Schreibweise fand im kommunistischen Ungarn nur zögerlich Anerkennung. Fast zwölf Jahre arbeitete am „Buch der Erinnerung“ (dt. 1991), einem Opus von 1300 Seiten, das ihm zum Durchbruch im deutschen Sprachraum verhalf. In den drei subtil miteinander verschränkten Erzählsträngen des Werkes ist bereits die literarische Methode von Nadas erkennbar. Drei Zeitebenen – 1900, 1950 und 1970 – und drei geografische Räume – Ungarn, Heiligendamm und Ost-Berlin – bilden die Bühne für die Liebesverstrickungen dreier Personen. Den Erzählstrom konstituieren Beschreibungen von Details, von Atmosphären, von kleinen Gesten, knappen Dialogen, aber auch Reflexionen.

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17 Jahre widmete Nadas dem Roman „Parallelgeschichten“ (dt. 2012). Auf den 1.700 Seiten der deutschen Fassung verwebt er scheinbar zusammenhanglos Personen, Motive und Ereignisse zu einem Universum jenseits des Textes. Schauplätze und Zeitebenen wechseln oft abrupt. Minutiös seziert der Autor die wechselseitige Wirkung menschlicher Körper aufeinander, ihr gegenseitiges Begehren und die in ihnen abgespeicherten Erinnerungen und menschheitsgeschichtlichen Katastrophen. Holocaust und stalinistischer Terror kommen darin nicht direkt vor. „Aufleuchtende Details“ (dt. 2017), ein weiteres Monumentalwerk von fast 1.300 Seiten, handelt wiederum genau von dieser Zeit und ergänzt somit die „Parallelgeschichten“.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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