
Elke Heidenreich ist Deutschlands bekannteste Literaturkritikerin und als Autorin selbst höchst erfolgreich. Ihr Buch „Altern“ war 2024 das meistverkaufte Buch in Deutschland. Nur einem gefielt es nicht: Kritiker Denis Scheck bezeichnete Heidenreichs Buch als „erkenntnisarmen Essay“, was die notorisch schlechte Beziehung der beiden nicht verbesserte. „Wir kennen uns von früher, ich habe ihn nie gemocht“, sagt Heidenreich dazu im Gespräch mit dem KURIER. In dem es vor allem aber um ihr neues Buch geht. „Ach, eine Fanfare“ ist eine Hommage an die Literatur. Und an ihren Hund.
Kurier: Auf dem Cover Ihres Buches ist Ihr Hund Toni zu sehen, sehr präsent auch auf Ihrem Instagram-Profil. Dort sieht man zudem Bachmannpreis-Gewinnerin Lena Schätte. Waren Sie vertraut mit ihrem Werk? Wäre sie auch Ihr Tipp gewesen? Hat sie „literarische Superkräfte“, wie man in der Jury sagte?
Elke Heidenreich: Superkräfte hat sie nicht, aber sie ist eine wahnsinnig gute Erzählerin und war meine Favoritin. Ihr Buch „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ habe ich, glaube ich, richtig entdeckt. Ich habe es in der Zeitung besprochen und für den Schweizer Literaturclub vorgeschlagen. Da hat es (Bachmannpreisjuror, Anm.) Thomas Strässle gehört und Lena Schätte nach Klagenfurt eingeladen. Ich bin also nicht ganz unbeteiligt an diesem Sieg in Klagenfurt.
Das ist eine tolle Geschichte. Zum aktuellen Buch: Darin ist viel zu erfahren. Unter anderem, dass Ennio Flaiano den Namen Paparazzo erfunden hat, nämlich, als er über Gustave Flaubert und die Namensfindung von Madame Bovary nachgedacht hat. Flaubert selbst kommt nur am Rande vor. Wäre das jemand für eine weitere Edition einer Sammlung von wichtigen Schriftstellerinnen und Schriftstellern?
Da muss ich jetzt etwas ausholen. Ich habe über die Jahre sehr viel über verschiedene Schriftsteller und Schriftstellerinnen geschrieben oder Vorträge über sie gehalten. Aber alles ist dann einmal gedruckt und verschwindet für immer. Ich hatte jetzt Lust, daraus eine Sammlung zu machen, das war ein Herzenswunsch, den mir mein Verlag erfüllt hat. Das ist das eine. Was Gustave Flaubert betrifft: Über ihn habe ich nichts geschrieben. Aber er ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller. Und zwar nicht „Madame Bovary“, sondern „Bouvard und Pécuchet“. Ein wunderbares Buch. Auch den Roman „Salambo“ mag ich sehr. Ich habe viel Flaubert gelesen.
Sie beschreiben Literatur als Fanfare, als Wegweiser. Kann sie auch Trost oder Rettung sein?
Literatur hat nicht die Aufgabe, uns zu trösten oder durchs Leben zu helfen. Sie darf brennen, sie darf experimentieren. Dass sie darüber hinaus etwas bewirkt, hat ja mit einem selbst zu tun. Ich lese manche Bücher und stelle fest, dass sie mit meinem Leben zu tun haben. Für mich war Literatur oft ein Geländer, an dem ich entlanggegangen bin. Das ist aber ein Nebeneffekt. Es gibt Menschen, die sich mit Literatur beschäftigen, für die sie immer nur ein Text bleiben wird. Niemals glaube ich, dass irgendein Text Denis Scheck je etwas bedeutet hat.
Mit Denis Scheck gab es im Frühjahr eine öffentliche Auseinandersetzung, nicht zuletzt aufgrund seiner Praxis, Bücher, die ihm nicht gefallen, in der ARD-Sendung „Druckfrisch“ in eine Mülltonne zu werfen.
Wir kennen uns von früher, ich habe ihn nie gemocht. Je älter …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



