Tim Curry: Der süße Transvestit aus Transylvania hat uns verlassen

Kultur

Ein überschminkter, lasziver und verführerischer Mann in Stöckelschuhen und Strapsen, dazu literweise Kunstblut – mit diesen Zutaten schrieb Richard O’Briens Musical „Rocky Horror Show“ in den frühen Siebzigerjahren im konservativen Großbritannien Kulturgeschichte. Die Verfilmung der Sci-Fi-Horror-Persiflage von 1975 wurde vom Kino-Flop zur Mutter aller Kultfilme. Mit seinen bohrenden Augen und breitem Grinsen war Tim Currys außerirdischer Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter Vorlage für Maturaballeinlagen in aller Welt. Diese Figur war nicht nur ein bisschen camp wie mancher Bond-Bösewicht zuvor, sondern eine Verkörperung von purer Fleischeslust, Selbstbestimmtheit und Freak-Out.

1946 kam er als Timothy James Curry in der Grafschaft Cheshire zur Welt und verbrachte seine Kindheit wegen der Militärkarriere des früh gestorbenen Vaters teilweise in Hongkong. In Birmingham studierte er Schauspiel, er wirkte in der Royal Shakespeare Company mit und stand für kleinere Fernsehrollen vor der Kamera. Schon mit seinem ersten Engagement soll Curry seine Mutter schockiert haben. Patricia Curry saß beschämt im Publikum, als ihr Sohn 1968 im Musical „Hair“ nackt auf der Bühne tanzte. Vor nur 85 Leuten wurde dann am 16. Juni 1973 die „Rocky Horror Show“ uraufgeführt. Sein Auftritt als „Sweet Transvestite from Transexual Transylvania“ dürfte die Mutter erneut erröten lassen haben.

Bald wurde das Obergeschoss des Royal Court Theatre zu klein. Auch nach dem Ruhm durch die Verfilmung war Curry vorerst überwiegend im TV zu sehen, nicht im Kino. Und er spielte im Londoner West End und am Broadway in New York, etwa in Brechts „Dreigroschenoper“ oder in Dickens „A Christmas Carrol“. Als Titelheld in der Broadway-Version von „Amadeus“ war er für einen Tony als Bester Hauptdarsteller nominiert.

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Auch als Popstar versuchte er, der schon als Kind in der Kirche gesungen hatte, sich. Während sich der Soundtrack der „Rocky Horror Picture Show“ millionenfach verkaufte, waren seine eigenen Alben jedoch kein Erfolg. Die Single „I Do The Rock“, geschrieben mit Hollywood-Komponist Michael Kamen, schaffte es immerhin in die US-Charts.

Schließlich doch Kino-Karriere

Ab den 1980er-Jahren nahm Currys Filmkarriere doch noch Fahrt auf. Er spielte in John Hustons Musical „Annie“ und der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“. Für Ridley Scotts „Legende“ mit Tom Cruise schlüpfte er 1985 in ein Teufelskostüm. Ende der 1980er zog er in die USA nach L.A., was seiner Karriere nicht schaden sollte. Legendär wurde er als furchterregender Clown Pennywise im Horror-Klassiker „Stephen Kings Es“.

Prägnante Nebenrollen spielte er in „Jagd auf Roter Oktober“ oder als strenger Hotel-Concierge in „Kevin – Allein in New York“. In dem zum Teil in Wien gedrehten Mantel-und-Degen-Film „Die Drei Musketiere“ verkörperte er 1993 Kardinal Richelieu. Danach konzentrierte er sich zunehmend auf Sprechrollen in Cartoonserien, Videospielen und Hörbüchern. 2003 schlüpfte der Verwandlungskünstler noch in der Krimiserie „Monk“ in ein überdimensionales Fettkostüm, um den Supergangster Dale J. Biederbeck III. zu spielen.

Schlaganfall mit 67

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012 war Curry teilweise gelähmt und saß im Rollstuhl. Er arbeitete weiter als Sprecher und begeisterte auf Conventions und Festivals seine Fans mit Anekdoten. Laut seiner Website war Curry nie verheiratet und hatte keine Kinder, über sein Privatleben ist wenig bekannt. Dem Ruhm konnte er wenig abgewinnen. „Ich genieße …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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