
Wenn man Marie Rötzer zum Interview treffen will, muss man in der Piaristengasse am Bühneneingang vorbeigehen. Denn im Theater in der Josefstadt spukt noch der Geist von Vorgänger Herbert Föttinger.
KURIER: Wir sitzen in einer Erdgeschoßwohnung. Warum denn?
Marie Rötzer: Das ist unser Vorbereitungsbüro. Meine Amtszeit beginnt offiziell erst mit 1. September.
Föttinger wollte nicht, dass Sie im Direktionstrakt untergebracht werden? Er befindet sich doch längst mit Hündchen in Ägypten, wie man auf Instagram sehen kann.
Es war für mich in Ordnung, dass man das klar trennt. Und es gab auch ein schönes Ende – mit der Uraufführung „Was für ein schönes Ende“ von Peter Turrini. Abgesehen davon wurde in den Büroräumlichkeiten ein bisschen saniert. Aber auch wenn ich erst übersiedle: Ich könnte über den Innenhof zu den Kolleginnen rüberrufen.
Sie waren zuvor Direktorin des Landestheaters in St. Pölten. Der Wechsel von Bettina Hering zu Ihnen vor zehn Jahren verlief wohl unproblematischer und amikaler?
Das kann man schwer vergleichen. Bettina Hering ist damals, nach vier Jahren, als Schauspielchefin zu den Salzburger Festspielen gewechselt. Weder stand sie als Schauspielerin auf der Bühne, noch hat sie inszeniert. Herr Föttinger hingegen hat bis zur letzten Vorstellung gewirkt. Er hat die Josefstadt 20 Jahre lang geleitet, er ist mit dem Haus, bildlich gesprochen, verwachsen. Das meine ich durchaus positiv. Weil es mittlerweile selten ist, dass ein künstlerischer Leiter dermaßen lange an einem Haus arbeitet und – wechselseitig – eine Identität damit verknüpft. Insofern ist es schon ein großer Schritt für mich, dieses Erbe zu übernehmen. Und wie das nun mal so ist: Man erbt nicht nur Schönes, sondern auch Belastetes. In dieser Gemengelage muss man sich erst zurechtfinden.
Inwiefern?
Wir wollen zum Beispiel die Unternehmenskultur etwas verändern. Meine Mentalität ist eben in vielen Facetten eine andere als jene von Herrn Föttinger.
Man könne, sagten Sie in einem Interview, an der Optik der Foyers und am Dekor der Räume erkennen, „dass Frauen offensichtlich keine Spuren hinterlassen haben“.
Im 19. Jahrhundert hat die Tochter eines Theaterunternehmers das Haus zwei Spielzeiten lang geleitet. Außer diesem Intermezzo gab es keine Frauen in Führungsposition. Und das schlägt sich eben auch in Äußerlichkeiten nieder. Föttinger hat sich seine Theaterwelt gestaltet. Für mich sehen die Räume daher ein bisschen zu männlich geprägt aus.
Wie wird die alte Tante Josefstadt femininer?
An den Wänden ist tatsächlich Patina drauf! Die Arbeitsräume wurden bereits heller. Man sieht es an der neuen Corporate Identity: Das Dunkelrot der Föttinger-Ära wurde durch ein frisches Rot-Orange ersetzt. Ich will generell strahlendere Farben, ein bisschen mehr Glamour. Das gilt auch für die Kammerspiele, für die wir Lila verwenden.
Und die Fassade wird rosarot gestrichen – wie die Volksoper unter der Leitung von Lotte de Beer?
Aber nein! Abgesehen vom Denkmalschutz, der das wohl stoppen würde: Was mir an der Josefstadt so gefällt, ist eben die Geschichte. Herbert Föttinger hat sie sehr gepflegt. Ich möchte die Vergangenheit lediglich ein bisschen mehr mit meiner Idee von Ästhetik und von Offenheit verknüpfen. Die Josefstadt soll sich einem breiteren, auch jüngeren Publikum öffnen. Daher sind wir bereits viel stärker in den digitalen Medien präsent. Aber wir bleiben …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



