
Diese Geschichte beginnt mit einer Verheißung, die sich wohl mancher heuer gewünscht hätte: eine kühle Höhle, unter einem Haus in Griechenland, der Eingang überwuchert von Bougainvilleen. Die Protagonisten von Jacqueline Kornmüllers Roman, beide Schauspieler, dürfen diese bewohnen. Aber erst müssen sie mal zusammenkommen. Das sieht anfangs nicht gut aus. Die Ich-Erzählerin findet an Du (dieser Name lässt den Lesefluss reizvoll holpern) anziehend, dass er immer allein in einer Osteria isst und neben sich Bücher stapelt. Einmal von ihr angesprochen, sagt er aber, er schätzt die „Einsamkeit des weißen Tellers.“
Im Zimmer von Du steht ein Kasten, der neben Porzellangeschirr, einem blauen Kleid und diversen Büchern auch das Bild einer Frau, die ein weißes Tuch ins Haar geschlungen hat, birgt. Der Schrank ist wie ein mystischer Ort, bekannt aus Kinderbüchern, der Träume und Erinnerungen weckt. Damit hält sich Kornmüller – man kennt sie von Theaterprojekten wie „Ganymed“ – aber nicht auf. Sie webt ein assoziationsreiches Netz aus Elternverlust-Erfahrung, Literatur als Trost, Magischen-Realismus-Anklängen mit Rezepten, Mut zur zweiten Chance und einem aufsehenerregenden Mordfall aus dem Italien des 16. Jahrhunderts.
Source:: Kurier.at – Kultur



