Industriestandort Österreich: „Die hochpreisige Nische verschwindet“

Wirtschaft

Die Zeiten sind nicht einfach für die heimische Industrie. Bürokratie, geopolitische Unsicherheiten und internationaler Mitbewerb belasten die Unternehmen. Gleichzeitig schreitet der technologische Wandel rasant voran. Was Österreich braucht, um als Industriestandort wieder aufzublühen, erklären Vorstandsvorsitzender Thomas Welser und Geschäftsführer Roland Sommer von der Plattform Industrie 4.0 Österreich im KURIER-Gespräch.

Die Krise sei in den vergangenen Jahren zum Normalzustand geworden, sagt Welser, der auch CEO des international tätigen Familienunternehmens Welser Profile aus Niederösterreich ist. Für ihn wird Flexibilität immer entscheidender: „Das Hauptthema für die Zukunft ist die Veränderungsfähigkeit von Unternehmen.“

Die Industrielandschaft ist technologisch gut entwickelt

Die Betriebe könnten dabei auf eine starke Basis bauen. „Wir haben in Österreich eine weit entwickelte Industrielandschaft, wenn es um Technologie geht“, sagt Welser. Auch die Ausbildung sei eine Stärke. Entscheidend sei in Zukunft, mit der Geschwindigkeit des technologischen Wandels Schritt zu halten.

Vor allem künstliche Intelligenz und Automatisierung werden die Arbeitswelt verändern. Repetitive Tätigkeiten würden relativ schnell von Maschinen übernommen werden, gleichzeitig entstünden neue Jobs. Auch Mitarbeiter müssten deshalb flexibler werden. „Diese Sicherheit, dass man zehn Jahre lang das Gleiche macht, die wird es weniger geben.“

Dass Europa über den Preis mit China oder anderen Niedrigkostenstandorten konkurrieren könne, glaubt Welser nicht. Gleichzeitig könne man langfristig nicht mehr nur für einen hochpreisigen Nischenbereich produzieren: „In immer mehr Sektoren wird dieser kleiner oder verschwindet“, sagt Sommer.

Es wird schwieriger hohe Preise in Europa zu rechtfertigen

Er verweist etwa auf den Maschinenbau: Wenn Anbieter aus anderen Regionen Maschinen zum halben Preis anbieten, werde es schwierig, europäische Produkte allein mit höherer Qualität zu rechtfertigen. Die Antwort müssten eine höhere Effizienz und Produktivität sein.

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Eine weitere Herausforderung sei die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten. Dass Europa völlig autark arbeiten könnte, hält Sommer für unrealistisch und zu teuer. Vielmehr gehe es darum, kritische Abhängigkeiten zu kennen und gezielt zu reduzieren. Vor allem die digitale Souveränität sei dabei ein Riesenthema, so Sommer.

Dass die Branche im Wandel ist, zeige sich auch bei den Investitionsentscheidungen. Welser beobachtet, dass Familienunternehmen zunehmend darüber nachdenken, ihr Kapital auch außerhalb Europas einzusetzen, etwa auf dem amerikanischen, indischen oder chinesischen Markt.

Worin Unternehmen investieren, verändert sich

Auch Welser Profile investierte zuletzt kräftig: Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 55 Millionen Euro im In- und Ausland. Dabei verändert sich die Art der Investitionen. „Früher haben wir in lineares Wachstum investiert. In die nächste Anlage oder das nächste Gebäude.“ Heute fließe Geld in neue Märkte, Technologien und Geschäftsmodelle. Für den Standort Österreich wird damit entscheidend, ob es gelingt, Unternehmen auch künftig einen Grund zu geben, zu investieren.

Großes Potenzial sehen die Industrievertreter bei der Bürokratie. „Das muss man ernsthaft angehen, weil wir enorme Effizienzverluste haben“, sagt Welser. Mit der Industriestrategie 2035, mit der der Standort gestärkt werden soll, setze die österreichische Regierung wichtige Impulse. Auch die Plattform Industrie 4.0 war an der Entwicklung der Strategie beteiligt. Die Wirkung sei naturgemäß begrenzt: Viele Faktoren – von globalen Lieferketten bis zur Geopolitik – würden sich national nicht steuern lassen.

Umso wichtiger sei die langfristige Umsetzung, sagt Welser. „Es geht darum, sich international ein eigenes, starkes Profil aufzubauen.“ Österreich und Europa hätten das Potenzial dazu. Entscheidend …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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