
Nvidia hat in der Vorwoche die Anleger mit einem ungewöhnlich optimistischen Ausblick überrascht. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der US-Chipkonzern ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Wachstum von etwa 44 Prozent gerechnet.
Im zweiten Geschäftsquartal konnte der Umsatz im Jahresvergleich auf 96,22 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt werden. Der Geschäftsbereich Rechenzentren erzielte sogar 89 Mrd. Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Auch beim Gewinn schlug Nvidia mit plus 126 Prozent auf 59,7 Mrd. Dollar die Prognosen.
Nach den Zahlen stieg die Aktie zunächst um fast fünf Prozent. Am folgenden Handelstag setzte sich die Rallye mit knapp 7 Prozent fort. Auch andere Chipwerte wie Intel, Micron, Broadcom und SK Hynix profitierten. Insgesamt wurden bei KI- und Halbleiteraktien innerhalb kurzer Zeit fast 150 Mrd. Dollar an Marktwert gewonnen.
Nvidia-Chef Jensen Huang sieht den Grund für den anhaltenden Optimismus in der wachsenden Bedeutung künstlicher Intelligenz. „KI erledigt nützliche Arbeit. Jetzt wird Rechenleistung zu Umsatz.“
Gleichzeitig steht der Konzern vor neuen Herausforderungen. Die Nachfrage nach seinen leistungsstarken KI-Prozessoren ist so hoch, dass Nvidia die Nachfrage teilweise nicht vollständig bedienen kann. Engpässe bei Speicherchips und anderen Komponenten bremsen den Ausbau. Zudem steigen die Kosten, wodurch die Gewinnmargen unter Druck geraten, wie Finanzchefin Colette Kress selbst erwartet. „Wir sehen eine Beschleunigung der Nachfrage – selbst bei unserer Größenordnung. Die Prognosen unserer Kunden deuten darauf hin, dass sich unser Wachstum im kommenden Jahr verdoppeln könnte. Allerdings sind wir durch die Lieferfähigkeit begrenzt.“
Nächste Generation
Nvidia setzt derweil auf die nächste Chipgeneration. Die neue Plattform wird bereits an Kunden ausgeliefert und soll im laufenden Quartal rund ein Fünftel des Data-Center-Umsatzes ausmachen. Gleichzeitig baut Nvidia sein Geschäft mit KI-Laboren, Unternehmen und sogenannten Neo-Cloud-Anbietern aus. Auch die Partnerschaft mit Amazon wird erweitert. 2027 und 2028 sollen weitere zwei Mio. Nvidia-Grafikprozessoren in der weltweiten Infrastruktur von Amazon Web Services eingesetzt werden.
Nvidia will zudem gemeinsam mit Finanzinvestoren mehr als 500 Milliarden Dollar für den Bau weiterer Rechenzentren mobilisieren. „Rechenleistung ist das neue Öl“, betonte Stephan Kemper, Chefinvestor der Vermögensverwaltung der Bank BNP Paribas.
Und um seine Vormachtstellung bei KI auszubauen, plant Nvidia einem Medienbericht zufolge die milliardenschwere Übernahme der US-Plattform Hugging Face. Der Konzern wolle die wichtige Plattform für quelloffene KI-Modelle für 12,9 Mrd. Dollar (11,05 Mrd. Euro) kaufen, berichtete der Branchendienst „The Information“ unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Für den von Jensen Huang geführten Konzern wäre es eine der größten Übernahmen der Firmengeschichte.
Unsicher bleibt dagegen das China-Geschäft. Nvidia hat daher Einnahmen aus chinesischen Rechenzentren nicht in seine Prognose aufgenommen. Die Exportbeschränkungen der USA und die Verzögerungen bei der Auslieferung von KI-Chips erschweren die Planung.
Für Anleger bleibt Nvidia damit ein Unternehmen mit außergewöhnlichen Wachstumschancen, aber auch erheblichen Risiken. Nach einem Kursanstieg von mehr als 1.000 Prozent innerhalb von drei Jahren ist die Aktie zwar nicht mehr billig, wird im Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen aber teilweise günstiger bewertet als Konkurrenten wie AMD oder Intel.
Mindestens 16 Brokerhäuser erhöhten ihre Kursziele für die Aktie. Die Prognose des Konzerns bestätige, dass „der Ausbau der KI-Infrastruktur mit voller Geschwindigkeit weitergehen wird …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



