
Führungskräfte werden mit rasantem Wandel, neuen Technologien und wachsender Unsicherheit konfrontiert. Sebastian Kortmann, neuer Leiter der WU Executive Academy, im KURIER-Interview über moderne Führung und darüber, was Europas Manager brauchen.
KURIER: Was bedeutet es, heutzutage zu managen und wie hat sich die Ausbildung für Führungskräfte dahingehend verändert?
Sebastian Kortmann: Die Hierarchien sind flacher geworden und der Fokus liegt auf der Verbindung unterschiedlicher Kompetenzen, um das Beste für den Kunden zu ermöglichen. Früher war die typische Managementausbildung sehr auf das einzelne Unternehmen beschränkt und sehr nach innen orientiert. Jetzt geht es um eine ganzheitliche Führungskultur. Faktoren wie das politische Umfeld, gesellschaftliche Anforderungen oder Internationalität fließen in die Führung mit ein.
Bedeutet das, Führungskräfte müssen sich in sämtlichen aktuellen Herausforderungen wie KI, Nachhaltigkeit, politische Unsicherheit oder generationsspezifische Entwicklungen auskennen?
Nicht im Detail, aber sie müssen deren Sprache sprechen. Erfolgreiches Führen bedeutet, interdisziplinäre Experten-Teams in die Produktentwicklung mit einzubeziehen. Man muss beispielsweise keine KI-Expertin werden, aber man muss mit KI-Experten reden können, um Wichtiges zu klären: Was heißt das für mein Unternehmen? Was heißt das für interne Prozesse und für meine Mitarbeiter?
Sind die Anforderungen an Führungskräfte größer geworden?
Definitiv. Nicht nur die Anforderungen im Unternehmen selbst. Abseits der globalen Einflüsse ist auch die Dynamik an sich eine eigene Herausforderung geworden. Abläufe und Aufgaben wurden schneller und komplexer. Das definiert ganz andere Führungsrollen und Fähigkeiten.
Ist lebenslanges Lernen Pflicht für Top-Manager?
Früher gab es die lineare Idee von studieren, arbeiten und in Pension gehen. Heute muss man sich viel mehr Gedanken machen, wie man sich für die Zukunft absichert. Wie man in sich selbst investiert und sich weiterentwickelt, um langfristig erfolgreich sein zu können.
Führungskräfte sind bereits sehr gut ausgebildet und punkten meist mit viel Erfahrung. Was bekommen sie an einer Institution wie Ihrer noch beigebracht?
Gut ausgebildet heißt häufig, man ist für den aktuellen Zeitpunkt gut gerüstet. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Wissen einem erlaubt, auch in fünf Jahren noch in dieser Position zu bleiben. Gemeinsam mit der akademischen Exzellenz und dem Unternehmensnetzwerk der gesamten WU Wien liefern wir Inhalte für die Zukunft, um langfristig Ziele verfolgen zu können und bereit zu sein für sämtliche Veränderungen.
Welche Kompetenzen fehlen Führungskräften, europaweit betrachtet, am häufigsten?
Lassen Sie es mich so sagen: Europa hat viele Chancen, langfristig erfolgreich zu sein – für Innovationen und technologische Entwicklung. Aber wie lässt sich daraus noch mehr machen? Was meines Erachtens fehlt ist: positiver dem Risiko gegenüberzustehen, unternehmerischer denken, offen sein für technologische Entwicklung. Mehr wagen. Auch mehr Wagniskapital für Start-ups bereitzustellen und offener dem Wandel gegenüberzustehen. Es braucht insgesamt mehr Mut.
Das ist in Zeiten der Unsicherheit und Krisen alles leicht gesagt.
Es hilft, jede Veränderung als Möglichkeit zu sehen und zunächst zu akzeptieren, dass es so ist, und dem Ganzen versuchen, positiv gegenüber zustehen sowie für sich zu entscheiden, welche Veränderung man wahrnimmt und für sich als Unternehmen zunutze macht.
Wird Resilienz zur neuen Schlüsselqualifikation von Führungskräften?
Zukunftsfähigkeiten sind nicht nur reines Wissen, sondern auch persönlichkeitsorientierte Fähigkeiten. In Gesprächen bemerken wir, dass Qualifikationen wie Resilienz, Umgang mit Stress oder fokussiertes Arbeiten sehr gefragt sind. Aber auch die Fähigkeiten, Aufgaben zu strukturieren, …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



