Ernüchternde Prognose: Österreich verfehlt EU-Klimaziel für 2025

Politik

Nach mehreren Jahren kontinuierlicher Rückgänge (Pandemie-bedingt) verzeichnet Österreich beim Klimaschutz erneut einen Dämpfer: Im Jahr 2025 stiegen die Treibhausgas-Emissionen nach vorläufigen Berechnungen um 0,7 Prozent auf 67,1 Millionen Tonnen. 

Hauptverantwortlich für das Plus sind ein witterungsbedingt höherer Heizbedarf und Einbußen bei der Wasserkraft. Damit wird das EU-Klimaziel Österreichs für 2025 voraussichtlich verfehlt.

Laut der aktuellen Nahzeitprognose (NowCast) des Umweltbundesamtes im Auftrag des Klimaschutzministeriums (BMLUK) stieß das Land im Jahr 2025 rund 0,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent mehr aus als im Jahr davor. Der Gesamtausstoß lag bei (vorläufig geschätzten) 67,1 Millionen Tonnen.

Von diesen muss unterschieden werden zwischen den Emissionen der Industrie, die in einem eigenen EU-Emissionshandelssystem geregelt sind (ETS1) und allen anderen Emissionen Österreichs. Im ETS1 sind noch etwa  25,6 Millionen Tonnen Treibhausgase, national bleiben dann noch ca. 41,5 Millionen Tonnen.

Das ist besonders heikel: Die im Rahmen der europäischen Effort Sharing Regulation (ESR) für 2025 vorgegebene Höchstmenge von rund 40,7 Millionen Tonnen wird damit um rund 0,8 Millionen Tonnen überschritten. Werden die EU-Vorgaben nicht eingehalten, drohen der Republik Zukäufe von Emissionszertifikaten (Verschmutzungsrechte) auf Kosten des Bundesbudgets.

9 Prozent mehr Heizöl und 8 Prozent mehr Erdgas

Dass die Emissionen trotz schwacher Konjunktur (BIP-Wachstum von 0,8 Prozent) anstiegen, liegt vor allem an klimatischen und energiewirtschaftlichen Sondereffekten. Das Jahr 2025 war spürbar kühler als das Rekordhitzejahr 2024, was sich unmittelbar auf den Energieverbrauch niederschlug: Die Zahl der Heizgradtage stieg um 12 Prozent. In der Folge verbrauchten die Haushalte und Betriebe 9 Prozent mehr Heizöl und 8 Prozent mehr Erdgas. Im Gebäudesektor schnellten die Emissionen dadurch um 8,0 Prozent in die Höhe.

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Erschwerend kam hinzu, dass die Stromerzeugung aus heimischer Wasserkraft aufgrund anhaltender Trockenheit und niedriger Flusspegelstände deutlich geringer ausfiel. Trotz des fortschreitenden Ausbaus der Photovoltaik musste der Energiebedarf vermehrt über thermische Kraftwerke gedeckt werden. Im europäischen Emissionshandel (EU-ETS) kletterten die Emissionen bei Kraft- und Fernwärmewerken sowie in der Schwerindustrie dadurch um 6,9 Prozent (+1,7 Mio. Tonnen).

„Der höhere Heizenergiebedarf und die deutlich geringere Stromerzeugung aus Wasserkraft waren wesentliche Faktoren für diese Entwicklung“, analysiert Günther Lichtblau, Klimaexperte des Umweltbundesamts. „Das zeigt einmal mehr, wie notwendig es ist, kontinuierlich Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen und erneuerbare Energieträger auszubauen.“

Lichtblick Verkehr: E-Mobilität und Diesel-Rückgang bremsen Trend

Gedämpft wurde der Gesamtanstieg durch deutliche Einsparungen im Mobilitäts- und Industriesektor. Im Verkehrssektor sanken die Emissionen um 6,5 Prozent bzw. 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Neben der schwächeren Wirtschaftsleistung machten sich hier vor allem der zunehmende Anteil an Elektrofahrzeugen und ein Rückgang des Dieselabsatzes um 7,3 Prozent bemerkbar (bei einem leichten Benzin-Plus von 0,7 Prozent).

Ebenfalls rückläufig waren die Emissionen im produzierenden Bereich außerhalb des Emissionshandels (-8,6 Prozent), was primär auf einen geringeren industriellen Gasverbrauch zurückzuführen ist.

Minister Totschnig fordert rascheren Ausstieg aus fossilen Energien

Für Klimaminister Norbert Totschnig unterstreicht die aktuelle Bilanz die Notwendigkeit entschlossener Schritte: „Dass wir nach mehreren Jahren sinkender Emissionen jetzt wieder einen Anstieg sehen, zeigt klar den aktuellen Handlungsbedarf. Deshalb müssen wir den Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbaren Strom und erneuerbare Wärme konsequent weiter vorantreiben.“ Nur so ließen sich Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität verbinden.

Mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität und die EU-Vorgaben für 2030 verweist der Bericht auf zusätzliche …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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