Paul Eisler: Seine geniale Erfindung steckt in jedem Smartphone

Wirtschaft

Ohne sie wäre das heutige Leben kaum denkbar: Smartphones, Computer, Autos oder Haushaltsgeräte – sie alle funktionieren dank einer Erfindung, die in den 1930er-Jahren im Londoner Exil entstand. Die Leiterplatte. Das Herzstück moderner Elektronik geht auf den österreichischen Ingenieur Paul Eisler zurück, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste. Eisler, 1907 in Wien geboren, studierte Maschinenbau an der Technischen Universität Wien und arbeitete als technischer Redakteur für das wöchentliche Radiomagazin „Rundfunk“.

Als sich die politische Lage in den 1930er-Jahren zuspitzte, verließ der jüdische Ingenieur 1936 seine Heimat und emigrierte nach London. Mit im Gepäck hatte er zwei Patentanmeldungen, die ihm die Einreise nach Großbritannien ermöglichten – darunter die Idee, Schaltungen zu drucken statt zu löten.

Drucken statt löten

Vor Eislers Erfindung mussten elektronische Geräte aufwendig von Hand gefertigt werden. Bauteile wie Widerstände, Kondensatoren und Transistoren wurden einzeln mit Drähten verbunden und verlötet – ein langwieriger, fehleranfälliger und kostspieliger Prozess. Eislers Lösung: Statt die Verbindungen zwischen den Bauteilen zu verlöten, sollten sie direkt auf eine isolierende Trägerplatte gedruckt werden, auf die eine dünne Kupferfolie aufgebracht wurde. 

Durch ein fotografisches Verfahren werden dann die gewünschten Leiterbahnen auf die Kupferschicht übertragen. Anschließend ätzt eine Säure das überschüssige Kupfer weg – zurück bleiben nur die benötigten Leiterbahnen, die die elektronischen Bauteile miteinander verbinden. Diese können dann einfach auf die Platine gelötet oder gesteckt werden.

AT&S-Technikchef: „Ein viel einfacherer Weg, Komponenten zu verbinden“

„Es war ein so viel einfacherer Weg, elektronische Komponenten miteinander zu verbinden als vorher“, lobt Peter Griehsnig, Technik-Vorstand beim heimischen Leiterplattenhersteller AT&S Eislers Erfindung. Eisler musste zwar nicht bei null angefangen, sondern konnte auf früheren Aktivitäten aufbauen, er habe aber nichts weniger als die Funktion der heutigen Leiterplatte ins Leben gerufen.

  Planungstalente experimentieren mit Beton

1936 meldete Eisler sein erstes Patent an, einen Vorläufer seiner Haupterfindung. In den 1940er-Jahren folgten weitere Patente, die die Technologie verfeinerten. 1942 wurde der erste Radioempfänger mit einer gedruckten Schaltung produziert, er ist heute in einem Londoner Museum zu bewundern.

Militärische Anwendung wider Willen

Obwohl Eisler verhindern wollte, dass seine Erfindung für militärische Zwecke missbraucht wird, war sie aus Sicht mancher Historiker im Zweiten Weltkrieg sogar kriegsentscheidend: Ohne Rücksicht auf den Patentschutz wurden Annäherungszünder für Flugabwehrraketen auf Basis von Leiterplatten entwickelt. Weil das bestens funktionierte, folgten kurz danach auch Lenkraketen, miniaturisierte Funkgeräte, Vermittlungszentralen für Telefonnetze, Radioempfänger, TV-Geräte und Computer.

Mit der Erfindung des Transistors sei die Anzahl elektronischer Komponenten geradezu explodiert, berichtet Griehsnig. Statt drei mussten plötzlich 300 miteinander verbunden werden, das wäre ohne Leiterplatte unmöglich gewesen. „Mit der Leiterplatte lässt sich herrlich skalieren, sowohl die Größe als auch die Anzahl der Komponenten.“

Grundlage der modernen Elektronik

Was in der militärischen Anwendung begann, entwickelte sich zur Grundlage der modernen Elektronik. Heute ist kein Computer, kein Smartphone, kein Auto mehr ohne Leiterplatte denkbar. Die wirtschaftliche Dimension ist gewaltig: Der globale Markt für Leiterplatten wurde 2025 auf mehr als 70 Milliarden Euro geschätzt. Dank Künstlicher Intelligenz soll er bis 2035 auf über 100 Milliarden Euro anwachsen.

Heute geht die Funktion der Leiterplatte weit über die elektrische Verbindung hinaus. Prozessoren funktionieren nur deshalb, weil die Stromversorgung des Chips schon in die Leiterplatte integriert wird. Weil moderne Chips unzählige …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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