
Sanfter Wind, Temperaturen weit über 20 Grad. Ideale Bedingungen für ein Konzert am Wolkenturm in Grafenegg. Doch die Idylle täuschte, wie sich beim Gastspiel der Wiener Philharmoniker mit Tugan Sokhiev, dem Dirigenten des nächsten Neujahrskonzerts, zeigte.
Denn der Wind wurde stärker und mischte sich ins musikalische Geschehen. Das war bei zwei Werken, über deren Aufführungen im Freien man diskutieren kann, nicht optimal. Zunächst beim Auftakt mit Mozarts Symphonie Nr. 25 in g-Moll, KV 183. Als der Wind anhob, erhöhte Sokhiev seine Bedachtsamkeit. Bei diesem Werk klang alles, was an „Sturm und Drang“ erinnern sollte, sehr geglättet. Bald war klar: Dieser Dirigent geht kein Risiko ein. Das war auch bei Gustav Mahlers „Erster“ in D-Dur so. Den Beginn hob er extrem getragen an, ganz so, als ob er den Begriff „Schleppend“ in der Satzbeschreibung übertreffen wollte. Alles klang zunächst extrem kontrolliert. Auch da hielt sich der Sturm in der Partitur in Grenzen. Der Wind aber wehte gegen die Bläser, was ein paar Entgleisungen zur Folge hatte. Klarinettist Daniel Ottensamer ließ immer wieder mit seinem unvergleichlichen Ton aufhorchen.
Dem golden leuchtenden Streicherklang konnte auch keine noch starke Brise etwas anhaben. Eindrucksvoll gestaltete Sokhiev die tänzerischen Passagen, beim Ländler kehrte er das Derbe besonders heraus und generierte nahezu gespensterhafte Klänge.Susanne Zobl
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