Olga Neuwirth in Grafenegg: Virtuose Facetten der Melancholie

Kultur

Der Titel „Zones of Blue“ von Olga Neuwirths Rhapsodie für Klarinette und Orchester weckt Assoziationen. Da schwingen Marksteine der Musikgeschichte wie Gershwins „Rhapsody in Blue“ oder Legendäres aus dem Jazz – wie Fats Wallers „Black and Blue“ oder Joe Coltranes „Blue Train“ – mit. Die Komponistin schrieb es in Erinnerung an ihren Vater, den Jazzer Harald Neuwirth.

Subtil verschmilzt sie jazzige Passagen mit symphonischen und Rhythmen, die in flüchtigen Momenten an Bernstein denken lassen. Der Klarinettist und Widmungsträger Jörg Widmann generierte das Werk am Freitag in Grafenegg packend aus Atemgeräuschen, die er zu Beginn in sein Instrument blies. Seine virtuosen Solo-Passagen und sein ganz natürliches Zusammenspiel mit dem Orchester entwickelten einen Sog, der das Publikum durch Musikstile und Epochen mitriss.

Composer in Residence

Sublim ließ Brad Lubman mit dem Tonkünstlerorchester NÖ die Tiefe der Arbeit spüren. Solist, Dirigent und Komponistin wurden bejubelt, alle drei sind auf der Liste der Grafenegger „Composer in Residence“ zu finden, die von Krzysztof Penderecki begonnen wurde. Lubman würdigte ihn mit der Aufführung von „Als Jakob erwachte“.

Neuwirth wählte in dieser Funktion für ihren Workshop aus 250 Einsendungen fünf aus. Diese brachten ihre für Grafenegg entstandenen Kompositionen im ersten Teil des Konzerts zur Uraufführung. Daraus ließ Noah Godard, 2003 geboren, mit seinem ansprechenden Stück, durch das Elemente amerikanischer Musik und ein Hauch von Mahler wehen, aufhorchen.

Die 2004 geborene Britin Laila Arafah überzeugte mit einer eigenen Klangsprache. Man mag darüber diskutieren, ob es tatsächlich ideal ist, dass die jungen Leute ihre Werke selbst dirigieren müssen. Zurecht viel Applaus auch für Noé Gillerot, Jaeduk Kim und Hansol Choi.

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KURIER-Wertung: 4 Sterne (von 5)

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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