Wöginger soll als ÖAAB-Chef wiedergewählt werden: „Wir halten zu dir“

Politik

„Der Gust hat eine schwere Zeit hinter sich.“ Die Videobotschaft eines Tiroler Funktionärs ist eines der wenigen Male, dass jemand den Elefanten im Saal anspricht.

Der Gust, das ist August Wöginger, der sich am Samstag in der Mostviertelhalle in der Stadt Haag, NÖ, als Bundesobmann des Arbeitnehmerbundes (ÖAAB) wiederwählen lässt.

Der Elefant, das ist seine erstinstanzliche Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs in der sogenannten Postenschacher-Causa im Mai am Landesgericht Linz.

Wöginger und seine beiden Mitverurteilten warten noch immer auf die schriftliche Ausfertigung des Urteils. Sobald es vorliegt, will Wöginger einen Antrag beim Verfassungsgerichtshof einbringen, weil ihm im vergangenen Jahr eine Diversion angeboten, und dann weggenommen wurde. Bis die zweite Instanz, der Oberste Gerichtshof, dann die Rechtsmittel abgehandelt hat und ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, vergeht noch viel Zeit.

In dieser Zeit will Wöginger, der gleich nach der Urteilsverkündung als ÖVP-Klubchef im Parlament zurückgetreten ist, ÖAAB-Bundesobmann bleiben. Einen Gegenkandidaten gibt es beim Bundestag am Samstag nicht.

Als Stellvertreterinnen kandidieren u. a. Nationalratsabgeordnete Romana Deckenbacher, Oberösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreterin Christine Haberlander sowie die niederösterreichische Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.

Besagter Tiroler Funktionär wünscht sich jedenfalls „ein starkes Zeichen für den Gust und damit für den ÖAAB.“ Dafür werben die rund 300 anwesenden ÖVP-Politikerinnen und -Politiker inbrünstig.

„Egal, was kommt“

August Wöginger – seit zehn Jahren an der Spitze des ÖAAB – habe für die Arbeitnehmer viel geleistet, er stehe für die Sozialpartnerschaft, für Reform- und Kompromissbereitschaft, wird da auf der Bühne, wo ein „Stammtisch“ aufgebaut ist, über ihn gesagt.

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Innenminister Gerhard Karner, der sich Scherze gefallen lassen muss, weil er Anzug und nicht Tracht trägt, hält Wöginger für den „Prototypen“ eines Politikers. Bei ihm komme es noch „auf den Händedruck und den Blick in die Augen“ an – auch, wenn er bestimmt „einen super Social-Media-Account“ habe.

Er sei einer, der „auf Augenhöhe berät“, schreit die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, förmlich in den Saal. Beim nächsten Satz wird ihre Stimme schon sanfter: „Wenn ich mir was wünschen darf: Dass du weiter ein guter Bundesobmann bleibst. Und allem, dass du mein und unser Freund bleibst. Egal, was kommt.“

Staatssekretär Alexander Pröll streicht hervor, wie Wöginger „in der Partei im Hintergrund immer wichtig“ gewesen sei, wie er „alles zusammengehalten“ habe. Gemeint sein dürfte die türkis-grüne Koalition, in der Wöginger Klubchef war. „Du hast dein Herz und alles für die Partei gegeben. Da muss man einmal ‚danke‘ sagen“, so Pröll. Und setzt nach: „Wir halten zu dir. Deshalb sind wir heute alle da.“

Entschuldigen lässt sich Bundeskanzler Christian Stocker, meldet sich aber per Videobotschaft: „Verlässlichkeit ist keine Momentaufnahme, sondern ein Versprechen, das über Jahre gehalten wird“, sagt er. Auf den Gust könne sich die Volkspartei „seit Jahrzehnten verlassen“. Er wünscht ihm „alles Gute und viel Erfolg“.

„Viel Kraft“ wünscht indes Integrations- und Europaministerin Claudia Bauer. „Wir brauchen einen starken ÖAAB in der Volkspartei.“

Wöginger, gebürtiger Innviertler, ist seit 2016 Bundesobmann des ÖAAB. Bei der Wahl im April 2021 erhielt er 96,1 Prozent der Delegiertenstimmen. Damals war gerade erst bekannt geworden, dass in der Postenschacher-Causa gegen ihn ermittelt wird.

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Wie viel es heute, Samstag, wird, sollte gegen 14 Uhr feststehen. Zuvor wird Wöginger am frühen Nachmittag seine Rede halten.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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