
Schon am Sonntagnachmittag rückte die blaue Vize-Klubchefin und AfD-Verbinderin Susanne Fürst aus, um dem „lieben Ulrich“ beste Grüße und Gratulationen von FPÖ-Chef Herbert Kickl auszurichten. Nach Bekanntwerden des Wahlsiegs von Ulrich Siegmund gab es dann großen Jubel aus Wien.
Kickl sprach von einem „demokratischen Machtwort des Souveräns, das weit über Deutschland hinaus zu spüren ist“ – und prophezeite „das Ende der Brandmauer der Systemparteien“ und der „abgehobenen Eliten“.
Ein Sieg der AfD ist in gewisser Weise auch einer für die FPÖ: Der Rechtsruck in Deutschland ist Wasser auf den Mühlen Kickls. „Was wir heute in Deutschland erleben, ist dieselbe unaufhaltsame Dynamik, die auch in Österreich die patriotische Wende vorantreibt.“
Know-how aus Österreich
Seit geraumer Zeit gehen die FPÖ und die deutsche AfD im Gleichschritt – und das immer offensiver. Bei wechselseitigen Besuchen tritt man stolz Seite an Seite auf, längst hat man einander stolz das Prädikat der „Schwesternpartei“ verliehen. AfD-Chefin Alice Weidel war im Sommer nicht zuletzt einer der Ehrengäste bei der 70-Jahr-Feier der FPÖ in der Hofburg.
Am Anfang war es primär die AfD, die von der FPÖ lernen wollte. „Nachhilfeunterricht in Österreich“ titelte zuletzt die Frankfurter Rundschau. Seit Jahren holt sie sich blaues Know-how – vor allem, was die Themen Koalitionsverhandlungen und Regierungsbeteiligung anlangt. Während die FPÖ in mehreren Bundesländern (mit-)regiert, hat die AfD hier noch keine Erfahrung. Die Frage wird angesichts ihrer Erfolge aber drängender: Wie schafft man es, andere Parteien zur Zusammenarbeit zu bewegen? Die „Brandmauer“ ist in Österreich längst passé.
Für Aufsehen sorgte diesbezüglich der Besuch einer AfD-Delegation aus Sachsen-Anhalt bei Salzburgs FPÖ-Chefin und Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek. Man wolle sich „auf das Regieren vorbereiten“, verriet Siegmund in einem gemeinsamen Instagram-Posting.
Angesichts der Erfolge der AfD sonnt sich auch die FPÖ zunehmend in deren Licht. Es war kein Zufall, dass vor der Wahl in Sachsen-Anhalt eine Wiener FPÖ-Delegation nach Berlin reiste, um die Zusammenarbeit im „Kampf gegen den Islamismus“ zu vertiefen. Man will künftig sogar gemeinsam Politik machen – etwa mittels konkreter gemeinsamer parlamentarischer Initiativen.
Thematisch zieht man an einem Strang, auch mit Blick auf die Rhetorik hat man sich angenähert: Beide Parteien kokettieren mit der „Remigration“ und arbeiten sich am Begriff der „Normalität“ ab. „Deutschland. Aber normal“ plakatiert die AfD ebenso wie „Wieder normal leben“.
Nicht zuletzt bemühen sich in jüngster Zeit beide Parteien, die Menschen mit positiveren Slogans mit in eine (rechte) Zukunft zu nehmen. Sie versprechen, sie aus der „Bevormundung der abgehobenen Politikerkaste“ (Copyright: Kickl) zu befreien. „Euer Wille geschehe“, plakatierte die FPÖ im Wahljahr 2024 ebenso wie „Fünf gute Jahre“.
„Alles ist möglich“, lautet ein aktueller AfD-Slogan. Der einstige blaue Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer formulierte es ähnlich: „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.“
Source:: Kurier.at – Politik



