
Dem deutschen Start-up Isar Aerospace ist es als erstem kommerziellen europäischen Raumfahrtunternehmen gelungen, eine Rakete mit Nutzlast ins All zu schießen. Am Samstag um 22.12 Uhr hob die 28 Tonnen schwere Spectrum-Rakete vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab. Vier Minuten später erreichte sie eine Flughöhe von 100 Kilometern und setzte nach einem weiteren Anstieg auf 500 Kilometer über dem Erdboden fünf Satelliten im Orbit aus.
In einer Unternehmensaussendung ist von einem „historischen Wendepunkt für Europa“ und dem Start einer neuen Ära für die Raumfahrtindustrie die Rede. Man habe in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht habe, wird Daniel Metzler, der Vorstandschef des bayerischen Raumfahrtunternehmens, zitiert.
Zweiter Versuch
Dabei lief mit der Spectrum-Rakete vor dem erfolgreichen Start bei Weitem nicht alles reibungslos. Der erste Testflug war im März bereits nach 30 Sekunden gescheitert, die Rakete stürzte ab. Ursprünglich war der erste Flug bereits im Jänner geplant, musste aber wegen defekter Bauteile verschoben werden.
Auch der zweite Versuch konnte erst nach monatelangen Verzögerungen über die Bühne gehen. Zuletzt wurden im April die Startvorbereitungen wegen eines leckenden Druckbehälters abgebrochen. Am Samstag klappte es schließlich.
„Souveräner Zugang zum Weltraum“
Europa habe jetzt souveränen Zugang zum Weltraum, sagte Unternehmenschef Metzler. Der Kontinent ist bei der Beförderung von Satelliten ins All zu großen Teilen von außereuropäischen Anbietern wie SpaceX abhängig. Nach Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, Europa im Vergleich dazu nur acht. „Strategischer Zugang zum Weltraum und nicht abhängig zu sein von einem Monopol, ist extrem wichtig für unsere Sicherheit, für unsere Wirtschaft, für unsere strategische Autonomie“, sagte Metzler.
SpaceX übertroffen
Den US-Konkurrenten SpaceX hat Isar Aerospace mit dem erfolgreichen Start am Samstag zumindest ein bisschen übertroffen. Die Falcon-Rakete von Elon Musks Weltraumfirma brauchte vier Anläufe, bis sie den Orbit erreichte. Allerdings war das im September 2008 und damit fast 20 Jahre früher als der erste erfolgreiche Flug der Isar-Aerospace-Rakete.
Auf Jahre ausgebucht
Das Unternehmen plant heuer und im nächsten Jahr weitere Raketenstarts in Norwegen. Ab Anfang 2028 sollen die Spectrum-Raketen auch von einer geplanten zweiten Startbasis in Kanada abheben.
Ist die Serienreife erreicht, will das rund 400 Mitarbeiter zählende Unternehmen 40 Raketen pro Jahr bauen und damit zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen bringen. Nach eigenen Angaben ist man mit Aufträgen über mehrere Hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht.
Bis zu vier Mrd. Euro wert
Einen Schub bedeutet der gelungene Start auch für das 2018 in Ottobrunn bei München gegründete Unternehmen. Bei einer Finanzierungsrunde im Juni, die 270 Mio. Euro einbrachte, wurde Isar Aerospace mit zwei Mrd. Euro bewertet. Jetzt könnte die Bewertung nach Schätzungen von Branchenbeobachtern auf bis zu vier Mrd. Euro steigen.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



