Erni Mangold: Bockig, sinnlich, einmalig

Kultur

Ihren Memoiren gab sie den Titel „Lassen Sie mich in Ruhe“. Damit bediente Erni Mangold schelmisch das Image der Schwierigen, um nicht zu sagen Hantigen, das ihr anhaftete. „Hantig ist das falsche Wort“, sagte sie selbst einmal dazu. „Sagen wir lieber: sehr emotional. Blödheit macht mich grantig.“

Die Schauspielerin war eine Respektsperson, vor der sich manche gefürchtet haben. Rainer Werner Fassbinder, in dessen TV-Film „Ich will doch nur, dass ihr mich liebt“ (1976) sie spielte, nannte sie den „weiblichen Bronson“.

Aber sie konnte natürlich auch supercharmant sein, und wahrscheinlich war ihre raue Schale einfach die Konsequenz eines langen Lebens als Frau in einer Branche, in der es sexistisch zugeht wie in kaum einer anderen.

„Ich habe als junge Frau wahnsinnig gut ausgesehen“

In den Fifties war „Sexerl“ Mangolds Spitzname. „Ich habe als junge Frau wahnsinnig gut ausgesehen“, sagte sie in einem Interview. „In der Josefstadt wurde das natürlich ausgenutzt. In einer Inszenierung bin ich in der Badewanne gelegen, da sind die Männer ohne ihre Frauen hineingegangen, um vom Balkon hinunterzuschauen, ob sie nicht eine Brustspitze von mir sehen.“

Geboren wurde Erna Goldmann, die sich als Schauspielerin Erni Mangold nannte, am 26. Jänner 1927 in Großweikersdorf im Weinviertel, und zwar im Gasthaus ihrer Großeltern („Vermutlich mag ich Wirtshäuser deshalb sehr gerne“). Nach dem Krieg war sie eng mit Helmut Qualtinger befreundet, sie waren in einer Clique, die damals die Innenstadt unsicher machte („Wir waren wie streunende Hunde“).

Ihre ersten Auftritte hatte Mangold im Wiener Renaissancetheater, das erste feste Engagement ab 1946 im Theater in der Josefstadt, dem sie zeitlebens verbunden blieb. In den 50er- und 60er-Jahren war sie in Deutschland engagiert, unter anderem bei Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Später spielte sie auch im Wiener Schauspielhaus, am Volkstheater oder in der freien Szene.

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Die erste Präsidentin

Zum Beispiel war sie 1990 dabei, als im Künstlerhaus-Theater das Stück „Die Präsidentinnen“ vom damals unbekannten Autor Werner Schwab uraufgeführt wurde. Ehrensache, dass sie als böse Großmutter in Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ besetzt wurde – und zwar gleich in drei verschiedenen Inszenierungen.

Mangold war Professorin am Reinhardt-Seminar, wurde 2000 zur Kammerschauspielerin ernannt und war auch sonst hochdekoriert; so wurde sie mit einem Nestroy und dem Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet und bekam 2022 die Platin-ROMY für ihr Lebenswerk.

„In ihrem puren, ungeschminkten Alter jetzt, als Granitzacken in ihrer Schönheit, als Granitzacken des Widerspruchs, verkörpert sie so was wie das Sinnliche der Bockigkeit“, sagte Tobias Moretti damals in seiner Laudatio. „Wie eine Amazone bis heute auf der Jagd nach ihrer autonomen Eigenheit.“

Mangolds Domäne war die Nebenrolle, in Film und Fernsehen noch mehr als auf der Bühne. Sie hatte unzählige Auftritte in „Tatort“, „Kottan ermittelt“ und anderen Serien, meist als hantige Alte. Kottan-Regisseur Peter Patzak besetzte sie auch in vielen anderen Filmen, unter anderem spielte sie in „Die Weltmaschine“ (1981) ihre erste Filmhauptrolle.

Der letzte Tanz

Ihre letzte große Filmrolle war die Alzheimer-Patientin Julia in Houchang Allahyaris „Der letzte Tanz“ (2014), die mit einem Zivildiener Sex hat.

In den Kammerspielen der Josefstadt nahm sie im Jahr 2017 Abschied von der Bühne: In „Harold und Maude“ spielte sie die weibliche …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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