
Okay, das mit den Uniform-Pullis am Anfang war peinlich. In der ersten Staffel waren die so komisch geschnitten, dass sie beim Aufstehen nach oben rutschten. Der emphatische Star-Trek-Pullinachuntenzieher war geboren. Auch die eigenartigen Close-ups auf die Gesichter haben sich die Macher der nächsten Generation zum Glück rasch abgewöhnt.
Und so wurde „Star Trek: The Next Generation“ alsbald zu dem, was es unzweifelhaft ist: die einzig wahre Star-Trek-Serie. Also nicht falsch verstehen, die anderen Serien, siehe oben, gibt es auch nicht nur im Holodeck, und man kann die ja eh auch mögen.
Aber Captain Picard und seine Crew schufen jene Utopie, die das Star-Trek-Universum erst zur Wahlheimat jener macht, die sich um die Zukunft sorgen. Hier, mit dem Philosophenkapitän, dem knurrenden, aber loyalen Worf, dem gemäßigten Kirk-Verschnitt Riker und der Hochglanz-Enterprise, wird eine Zukunft entworfen, in der das Nachdenken und das Aufklappen von Büchern noch etwas zählt, auch wenn die Super-Alexa jederzeit rufbereit ist. In der Anderssein per se kein Nachteil ist, die KI nur ganz selten böse wird und aus dem Essensherbeizauberapparat Earl Grey – heiß! – kommt, den man offensichtlich sogar trinken kann.
Hier entlang, Elon!
Dieses „Star Trek“ ist nicht nur freiwillig und unfreiwillig lustig. Es erzählt auch große Geschichten, von den Borg, die alle das Gleiche denken und fühlen (und dass Widerstand gegen diese Vergemeinschaftung der Meinung nicht zwecklos ist). Von den Grenzen und Herausforderungen eines Zusammenlebens, wenn das bestimmende Element der menschlichen Vergangenheit – der Mangel und die Beschränktheit materieller Ressourcen – dann überwunden sein wird.
Und davon, was es heißt, ein Mensch zu sein.
Oder ein Klingone.
Oder ein Roboter, der gerne fühlen und denken würde wie ein Mensch.
Nun, denkt man sich fast 40 Jahre nach dem Start der Serie (sie lief im Original von 1987 bis 1994), da ist dem Herrn Roddenberry schon eine Vision gelungen, bei der man sich eines wünschen würde: dass die Problemmilliardäre aus dem Tech-Sektor von heute lieber „TNG“ zum Vorbild ihres Tuns nehmen würden und nicht diese komische Mischung aus völlig missverstandenem William Gibson, „1984“, „Fahrenheit 451“ und dem „Herrn der Ringe“.
Herr Musk, so wie Picard und seine Crew müsste man das Universum anvisieren: reflektiert, respekt- und hoffnungsvoll. Denn „TNG“ erzählt auch die Kolonialisierungsgeschichte neu, die auf der Erde viel Unheil gebracht hat und nicht eins zu eins ins Weltall übersetzt werden sollte.
Nur eben mit Beamen, Zeitreisen, einer Bar, in der Whoopie Goldberg Drinks und Weisheiten spendiert, und der bestaussehenden Ex-Borg, Seven of Nine. „TNG“ feiert jene unendliche Weiten, die es geben würde, wären nicht so viele hier unten so beschränkt.
Source:: Kurier.at – Kultur



