Staatsoper startet Saison mit Gratis-Open-Air: Purer Luxus der Stimmen im Park

Kultur

Da sage noch einmal jemand, Oper sei nur etwas für Eliten. Noch am Weg zur U-Bahn vom Burggarten pfiff oder sang, je nach Belieben, der eine oder die andere, die man vielleicht bisher noch nicht in der Staatsoper gesehen hatte, so manche Melodie von Verdi oder Puccini.

Sie alle kamen zum Saisonauftakt der Wiener Staatsoper. Den zelebrierte Direktor Bogdan Roščić zum zweiten Mal mit einem Open-Air-Konzert bei freiem Eintritt auf einer Bühne vor dem Palmenhaus. Ohne private finanzielle Unterstützung sei dies nicht möglich, dankte er den Sponsoren. Es zahlte sich aus.

Lange Schlange

Anders als im Vorjahr war das gesamte Areal geöffnet. Die Schlange habe bis zum Heldenplatz gereicht, ließ das Pressebüro auf Anfrage wissen. Doch bereits 45 Minuten vor Konzertbeginn mussten die Tore geschlossen werden. 10.000 Besucherinnen und Besucher wollten live dabei sein, als die Superstars Asmik Grigorian, Piotr Beczała, Juan Diego Flórez und Ludovic Tézier einen Ausblick auf die Spielzeit gaben. Auch das Wetter demonstrierte mit einem warmen Sommerabend Sinn für Qualität.

Dirigent Marco Armiliato, der kurzfristig von Axel Kober übernommen hatte, gab mit Rossinis „Wilhelm Tell“-Ouvertüre, publikumsfreundlich nur mit deren zündendem zweiten Teil, einen energetischen Auftakt.

Asmik Grigorian zog mit der „Habanera“ aus Bizets „Carmen“ in ihren Bann, als sie diese wie ein Kunstlied intonierte. Doch es gab nicht nur sogenannte Operngassenhauer. Piotr Beczała entfachte mit der Arie „Un di all’azzurro di spazio“ aus Umberto Giordanos „Andrea Chenier“ und später der „Gralserzählung“ aus Richard Wagners „Lohengrin“ Jubelstürme. Zurecht, denn so innig, mysteriös muss man die „Taube“ erst einmal vortragen.

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Grigorian und Beczala begeisterten auch mit dem Duett aus Puccinis „Madama Butterfly“.

Ludovic Tézier sorgte mit dem „Pietà, rispetto, amore“ aus Verdis „Macbeth“ für einen weiteren Höhepunkt.

Juan Diego Flórez demonstrierte mit neun hohen Cs beim „Ah! Mes Amis“ des Tonio aus Donizettis „Regimentstochter“, dass er der unbestrittene König des Belcanto ist, und gab im Duett mit Tèzier einen Einblick in Bizets „Perlenfischer“.

Auch die Opernschule und das Ensemble präsentierten sich in schönsten vokalen Farben. Erstgenannte mit dem Chor der Wiener Staatsoper und einem Ausblick auf die Premiere der Oper „La Damnation de Faust“ von Hector Berlioz im Dezember. Im von Barbara Rett und dem Direktor charmant moderierten Programm durfte „Nessun dorma“ (aus Puccinis „Turandot“) nicht fehlen, vor allem wenn der Beczała dabei ist.

Über die Notwendigkeit der Video-Einspielungen von prominenten Opernfreunden ließe sich diskutieren. Das Publikum nahm vor allem jene von Michael Niavarani und Herbert Prohaska amüsiert zur Kenntnis. Mit dem Finale aus Verdis „Falstaff“ klang dieses Fest der Stimmen, das 2027 sogar mit Ballett-Einlagen fortgesetzt werden soll, würdig aus.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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