
Vor dem 1. Oktober 2001 hatte man als Stromkunde noch keine Wahl, was den Stromanbieter anbelangte. Erzeugung, Stromnetz und Vertrieb waren in regionalen Monopolen gebündelt. Mit der Strommarktliberalisierung haben Kunden nun beim Stromanbieter freie Wahl, während die Netze weiterhin streng regulierte Monopole blieben. Zum 25-Jahre-Jubiläum hat der Branchenverband Oesterreichs Energie eine Zwischenbilanz gezogen.
Freie Wahl hat Wettbewerb angekurbelt
Laut einer neuen Studie der Energieagentur hat die Strommarktliberalisierung von 2001 bis 2025 zu durchschnittlich 16,3 Prozent günstigeren Strompreisen geführt. „Unsere Modellierung ergibt eine kumulierte Entlastung von mehr als 15 Milliarden Euro – davon 12,7 Milliarden Euro für Haushalte und 2,5 Milliarden Euro für Nicht-Haushalte“, sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.
Der Bruttostrompreis, der neben dem Preis für Strom auch die Netzgebühren sowie Steuern und Abgaben enthält, habe sich in dem Zeitraum inflationsbereinigt relativ stabil entwickelt und lag für Haushalte in etwa zwischen 25 und 30 Cent je Kilowattstunde, erklärt Angerer. Unmittelbar nach der Liberalisierung seien die Strompreise gesunken, unter anderem gestiegene Ökostromabgaben ab 2005 und die Finanzkrise 2008 hätten wieder einen Anstieg bewirkt. Einen weiteren Preissprung brachte die Energiekrise ab 2022.
Niedrigere Preise wirkten sich volkswirtschaftlich positiv aus
Aktuell können Stromkunden aus rund 150 Lieferanten wählen, von denen 50 ihre Tarife österreichweit anbieten, schildert Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Die Wahlfreiheit habe deutlich positive volkswirtschaftliche Effekte. Niedrigere Strompreise führen zu mehr Konsum, steigendem Realeinkommen, mehr Investitionen und Exporten. Zwischen 2001 und 2022 kam so laut der Studie ein 0,11 Prozent höheres reales Bruttoinlandsprodukt zustande.
Europäische Vernetzung half in der Krise
Die Strommarktliberalisierung habe mit der Energiekrise 2022 auch eine Bewährungsprobe bestanden, sagt Angerer. „Der offene, europäisch vernetzte Markt hat einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet und uns vor Ausfällen bewahrt.“ Laut Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, gehe es jetzt um die „nächste Etappe“: „Markt, Netze, Erzeugung, Speicher und Flexibilität müssen als Gesamtsystem funktionieren. Dafür brauchen wir Tempo, klare Spielregeln und Investitionssicherheit.“
Digitalisierung soll Erneuerbaren-Ausbau begleiten
Der Strommarkt sei vom Ausbau Erneuerbarer Energien geprägt, sagt EVN Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz. Sie brächten sauberen Strom, aber auch Herausforderungen mit sich. „Erneuerbare Energie ist dann besonders wertvoll, wenn sie auch zum richtigen Zeitpunkt genutzt wird. Genau hier schaffen heute Digitalisierung und innovative Tarife einen echten Mehrwert für unsere Kunden.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



