Jede siebente Gemeinde ohne Bankomaten: „Wer Wahlfreiheit will, muss öfter bar bezahlen“

Wirtschaft

Rund 3,5 Millionen Banknoten werden jeden Tag im Cash Center der Nationalbank-Tochter Geldservice Austria (GSA) im 9. Wiener Gemeindebezirk geprüft, gezählt, sortiert und danach wieder an Banken und Bankomaten ausgeliefert. Die Zahl der Geldausgabeautomaten ist in den vergangenen Jahren sukzessive zurückgegangen. Vor allem am Land gibt es Lücken. In 15 Prozent der rund 2.100 österreichischen Gemeinden gibt es keinen Bankomaten, 36 Prozent haben keine Bankfiliale, wie eine von der GSA in Auftrag gegebene Studie zur Bargeldversorgung in Österreichs Gemeinden ergeben hat.

Zwar ist die Versorgung mit Bargeld im Vergleich zu anderen Ländern nach wie vor gut, Handlungsbedarf ist laut der Umfrage aber gegeben. 15 Prozent der 205 für die Studie österreichweit befragten Entscheidungsträger beurteilen die Bargeldversorgung in ihren Gemeinden als eher oder sehr schlecht.

Hohe Relevanz

Gerade in Gemeinden sei Bargeld von hoher Relevanz, sagte Studienautor Harald Pitters. 

98 Prozent der Befragten halten es für Vereine, Märkte und Veranstaltungen als unverzichtbar. 
Für 89 Prozent ist es für lokale Klein- und Mittelbetriebe wirtschaftlich bedeutsam. 
Für 87 Prozent ist Bargeld für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen besonders wichtig. Ebenso viele sehen darin eine wichtige Alternative im Fall von Cyberattacken.

„Schmierstoff für die Wirtschaft“

Für uns ist Bargeld der „Schmierstoff in der Wirtschaft“, sagte Gemeindebundpräsident Johannes Pressel. Der Gemeindebund hat 2024 gemeinsam mit der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und den Banken zur Absicherung der Bargeldversorgung ein „Bankomaten-Moratorium“ bis Ende 2029 ausgehandelt. Die OeNB will mit 120 Bankomaten Versorgungslücken schließen, über 70 wurden bereits aufgestellt, der Rest soll bis Ende des Jahres folgen, sagte Nationalbankdirektor Matthias Schroth. 

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Die Kosten dafür bezifferte er mit bis zu 1,2 Mio. Euro pro Jahr. Für Notenbanken sei Bargeld ein gutes Geschäft, sagte Schroth. Denn die Nationalbank erhält für das ausgegebene Bargeld Zinsen von den Banken. Denn die Nationalbank erhält für das ausgegebene Bargeld Zinsen von den Banken und könne so einen Gewinn aus der Geldschöpfung lukrieren. Bei Kartenzahlungen verdienen hingegen die Banken und die Kreditkartenfirmen.  

In Österreich gibt es rund 8.500 von Banken betriebene Bankomaten. Dazu kommen einige Hundert von privaten Betreibern. Damit sie sich rentieren, sind monatlich rund 3.000 Transaktionen notwendig, schätzen Experten.

Kein Auslaufmodell

Bargeld werde oft als Auslaufmodell bezeichnet, sagte Schroth. Der Barzahlungsanteil sei in Österreich auch bei Jüngeren noch sehr hoch. Wie das Beispiel anderer Länder zeige, sei Bargeld auch in Krisenzeiten relevant. In Schweden müssen seit 1. Juli Lebensmittelgeschäfte und Apotheken wieder Bargeld annehmen, weil digitale Zahlungssysteme im Krisenfall, etwa bei Cyberangriffen, als verwundbar gelten. Wer in der Krise bar zahlen wolle, müsse Bargeld auch täglich nutzen, sagte Schroth: „Nur so funktioniert der Kreislauf.“ 

GSA-Chef Gerhard Gierer streicht die Bedeutung der Wahlfreiheit hervor. Wenn man wolle, dass sie weiter bestehe, müsse Bargeld auch verwenden und öfter bar bezahlen. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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