
Kimi Antonelli statt Felix Gall. Dass am Sonntag in Madrid nicht der Osttiroler und seine Radprofi-Kollegen die Ziellinie der Vuelta a España überqueren, liegt daran, dass hier an diesem Wochenende die Formel 1 gastiert. Die Radler mussten nach Granada ausweichen. Der Grand Prix von Spanien (15 Uhr/ORF 1) ist nach 45 Jahren zurück in Madrid. Diesmal in Form eines Stadtrennens.
Die Strecke liegt zum Teil auf vorhandenen Straßen, 16 Kilometer vom Zentrum entfernt, erreichbar mit Bus und U-Bahn. 90 Prozent der Zuschauer sollen heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Grand Prix kommen. Punkt für die Nachhaltigkeit.
Die Strecke führt um das Messezentrum Ifema – die Infrastruktur vor Ort wird für Entertainment und Hospitality genutzt. Punkt für die Vermarktbarkeit.
Formel 1: Event und Vermarktung
Denn seit Liberty Media die Formel 1 vor knapp 10 Jahren übernommen hatte, wird mehr und mehr auf Eventcharakter und Vermarktung gesetzt. Ein Grand Prix soll mehr als „nur“ Autorennen sein. Gedacht wird in mehrtägigen Großevents.
Trotz allem Drumherum darf die Strecke nicht als sekundär erscheinen. Der Madring gilt als anspruchsvoll, Überholen könnte schwer werden. Kernstück ist eine 550 Meter lange Steilkurve (K12) „La Monumental“ – 13,7 Grad maximale Steigung, teils quasi ohne Sicht.
Trotz der Kritik wegen Lärm und Umwelt gefällt das Konzept vielen: Das Wochenende ist restlos ausverkauft. Mehr als 120.000 Tribünentickets wurden verkauft. 80.000 Fans kommen von weit her – 45.000 aus dem Ausland und 35.000 aus anderen Teilen Spaniens. Unter den Tickets sind 20.000 VIP-Pakete für rund 3.000 Euro. Gesamt-Ticketumsatz: ca. 60 Millionen Euro. Knapp 50 Millionen soll die Stadt jährlich an die Formel 1 für den Grand Prix zahlen. Der Vertrag läuft vorerst bis 2035.
Kritik, Milliarden und Arbeitsplätze
Für die Stadt dürfte sich die Rechnung – zumindest rein in Zahlen – lohnen. Die jährliche wirtschaftliche Auswirkung des GP soll 450 Millionen Euro betragen – in zehn Jahren 4,5 Milliarden Euro – sowie 8.200 geschaffene Arbeitsplätze in der Region. Das behauptet neben der Messegesellschaft Ifema, die den Grand Prix geplant und aufgezogen hat, auch die konservative Präsidentin der Region, Isabel Díaz Ayuso. Die Beratungsfirma PwC bestätigt das.
Champions-League-Finale
Nicht nur Madrid – Spanien insgesamt hat sich zum Sport-Magneten gemausert. Barcelona richtete 2024 den America’s Cup im Segeln aus oder im vergangenen Juli den Grand Depart, also den Start der Tour de France. Und neben der Motorsport-Königsklasse und dem Radsport-Monument hat das Land auch mit zwei großen Tennis-Events (Madrid und Barcelona) sowie vier (!) MotoGP-Stopps aufzuwarten.
Vom Fußball – der übrigens auch für die Formel 1 kräftig die Werbetrommel gerührt hat – ganz abgesehen: Die erste und zweite Liga der Männer haben in der Vorsaison 17,5 Millionen Besucher angezogen. Viele davon aus dem Ausland. Im Estadio Metropolitano von Atlético Madrid wird am 5. Juni 2027 das Champions-League-Finale stattfinden. Und zuletzt war sogar die NFL in Madrid zu Gast – und lobte die Stadt explizit für ihre Fähigkeit, große Events auszurichten.
Allein die öffentlichen Förderungen der Hauptstadt in den vergangenen drei Jahren für Sportevents betrugen mehr als sieben Millionen Euro, dokumentiert El Pais. (Die Formel 1 bekam davon nichts.) Die Stadtregierung begründet die Strategie mit Tourismus …read more
Source:: Kurier.at – Sport



