Game over, Macbeth: Volkstheater zeigt Shakespeare als Computerspiel

Kultur

„Wann werden wir drei uns wiedersehen …“ William Shakespeares berühmte erste Sätze, gesprochen von den drei Hexen, sind in dieser Inszenierung von „Macbeth“ ebenso wenig Thema wie die dazugehörigen Wetterkonditionen. Von Donner, Blitz und Regen ist hier keine Rede. In Rieke Süßkows „Macbeth“ gibt es vor allem eine, die den schottischen Heerführer dazu anleitet, den bisherigen Herrscher König Duncan zu ermorden und dessen Platz einzunehmen: Die Gattin.

Die zum Sprichwort gewordene Lady Macbeth, Sinnbild des Bösen. Nervös nägelkauend und zugleich wie von Machtlust aufgegeilt, wird sie ihren Partner zum Morden und Meucheln treiben. Zunächst rein virtuell und zu Beginn fast harmlos. Während man sich die Waffen für’s spielerische Schlachten aussucht – Schwert oder doch lieber Morgenstern?- wird noch gekichert. Bald aber wird es ziemlich unheimlich. 

Süßkow, Hausregisseurin des Volkstheaters, ist für bildstarke, formbewusste Inszenierungen bekannt. Shakespeares blutigen Klassiker steckt sie nun, gemeinsam mit Bühnenbildnerin Mirjam Stängl und Kostümbildnerin Sabrina Bosshard, in den Rahmen eines Computerspiels.

Macbeth und seine Lady stehen gleich zweimal auf der Bühne. Einmal als Gamer, die, einschlägig in Kapuzenpullis gewandet, je rechts und links der Bühne vor ihren Bildschirmen lungern. Fehlt bloß der Pizzakarton. Ihre Gesichter sind auf Leinwände projiziert, wir beobachten sie beim zunehmend angespannten Spiel, in dem sie Avatare ihrer selbst in einem immer gewalttätigeren Videospiel anleiten.

Dieses befindet sich im Zentrum der Bühne. Die Ästhetik mit mehreren, einfachen Spielebenen, die es zu überspringen gilt, gleicht frühen Videospielen, ist aber sehr aufwändig: Hinter der Vorstellung einer virtuellen Welt steckt eine analoge. Die scheinbar seelenlosen Avatare werden von Puppenspielern geführt, angeleitet von Figurenregisseurin Esther Frank. Sie springen von Ebene zu Ebene.

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Am Rande des „Bildschirms“, einer von Leuchtstreifen gerahmten Guckkastenbühne, sind einschlägige Spielanweisungen wie „neuer Ort betreten“ zu lesen. Tatsächliche Antreiberin des immer grausameren Spieles ist aber die Gamerin Lady Macbeth (Caroline Reinke): „Das ist jetzt „ne Challenge für dich, den König zu kicken“ provoziert sie ihren Mitspieler Macbeth (Nicolas Frederick Djuren). Als dieser seine Skrupel nur sehr zögerlich über Bord werfen will, insistiert sie: „Bist du ein Mann?“.

Basis für diese Inszenierung ist Thomas Braschs Übersetzung „Die Tragödie des Macbeth“ aus dem Jahr 1992, sie wurde stark bearbeitet, gekürzt und mit Kommentaren der Spielenden versehen. Beim Schlussapplaus der 70 Minuten langen Premiere kamen so viele Menschen zum Verbeugen auf die Bühne, dass sie kaum Platz hatten. Der Aufwand dieser Inszenierung war schließlich groß.

Hat er sich gelohnt? Großteils. Es bleiben starke Bilder und Eindrücke, insbesondere Djuren und Reinke als Macbeth und seine Lady überzeugen. Auch die Idee hinter der Inszenierung leuchtet ein: Es geht darum, von Gewalt zu erzählen ohne diese auf der Bühne zu reproduzieren. Das funktioniert punktuell recht gut. Der Mord an König Duncan etwa wird durch roten Wolle veranschaulicht, die eindrucksvoll über den angedeuteten schwarzen Computerspielbildschirm auf die Bühne quillt. 

Zugleich aber will diese Inszenierung ein bisschen viel. Einerseits geht es um Vorstellungen von Männlichkeit. Ein „echter Mann“ muss konsequent und bereit sein, zum Äußersten zu gehen. Auch die viel zitierte Erotik der Macht ist Thema: Gamer Macbeth scheint von Anfang an hingezogen zu seiner machtbewussten Mitspielerin doch, so wird …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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