SPÖ-Insider Kalina: „In dieser Debatte trifft die Nazi-Keule nicht mehr“

Politik

Für Josef Kalina – Kommunikationsberater und SPÖ-Insider – hat seine Partei derzeit in der Regierung die völlig falsche Strategie.

KURIER: Herr Kalina, als ehemaliger Bundesgeschäftsführer und Kanzlersprecher sind Sie SPÖ-Insider. Was ist in der Partei los? In den ersten Monaten war kolportiert worden, dass Ex-Kanzler Christian Kern Vizekanzler Andreas Babler ablösen soll. Daraus wurde nichts. Jetzt gibt es ähnliche Gerüchte rund um Gerhard Zeiler.

Josef Kalina: Was soll ich sagen? Sie sind in der Bundesregierung, sie stellen den Vizekanzler, den Finanzminister und andere wichtige Ressorts, trotzdem geht die Meinung der Bevölkerung über die Regierung allgemein und die SPÖ speziell nach unten. Ein zweiter Punkt ist, dass die SPÖ es nicht gewohnt ist, an der Spitze jemanden zu haben, der der unbeliebteste Politiker im Land ist, sogar hinter Herbert Kickl. Die SPÖ ist Personen wie Vranitzky, Klima oder auch Kern gewöhnt, die die Partei mitziehen. Deswegen kommen viele mit der derzeitigen Situation in der Partei nicht zurecht.

Gerhard Zeiler hat in einem Interview auf eine Frage dazu eher kryptisch geantwortet. Man habe ihn noch nicht gefragt. Das ist kein Nein. Wie schätzen Sie das ein?

Ich habe das Interview als sehr sympathisch empfunden. Was mir an der Geschichte besonders gefällt: Es heißt ja immer öfter, die Politik ist so in Verruf, dass gescheite, leistungsfähige Leute, die in der Wirtschaft Erfolg haben, nicht in die Politik gehen. Da hätten wir jetzt jemanden, der wahrscheinlich derzeit Österreichs erfolgreichster Auslandsmanager weltweit ist. Und der sagt, wenn man ihn fragt, überlegt er es sich. Das ist ein gutes Zeichen für die Politik, auch ein gutes Zeichen für die SPÖ.

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Sie meinen also, es würde der SPÖ nicht schlecht bekommen, so jemanden an der Spitze zu haben?

Ich möchte jetzt keine Personaldebatten vom Zaun brechen. Wenn man sich die Regierungspolitik und die Rolle der SPÖ dort anschaut, dann glaube ich, dass das Auswechseln einer Person einfach zu wenig ist. Was wird von den Menschen bei Wahlen oder Umfragen belohnt? Machen wird belohnt, Tun wird belohnt, nicht Reden und schon gar nicht Streiten. Da ist diese Regierung, was das Management betrifft, einfach schlecht aufgestellt. Wenn ich mir die Heeresdebatte ansehe, eine Katastrophe. Oder aktuell die Justizreform, eine Katastrophe. Wer soll sich da angesprochen fühlen?

Kommen wir zurück zu Gerhard Zeiler. In der Partei gibt es die Meinung, dass der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian entscheidend sind, ob es zu Veränderungen kommt.

Das lese ich oft. Natürlich ist klar, dass der Wiener Bürgermeister als Chef der mit Abstand größten Landesorganisation und der Chef der Fraktion der Sozialdemokratischen Gewerkschafter ein gewichtiges Wort zu reden haben. Aber allein entscheiden die auch nicht. Die SPÖ muss jetzt intern definieren, wohin es gehen soll. Da ist das Auswechseln von einem Kopf zu wenig.

Welche Politik muss da von der SPÖ gemacht werden?

Was ich an der Strategie der Babler-Truppe immer für falsch gehalten habe: dass sie einen Wahlkampf mit dem Bild geführt haben, dass es Kinder gibt, die im Winter keine warmen Schuhe und kein warmes Essen haben. Diese Phänomene gibt es, aber es ist eine Minderheit. Der großen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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