Studieren ohne Akademiker-Eltern: Zwischen Stolz, Druck und Aufstieg

Wirtschaft

Bildung wird in Österreich vererbt. Das zeigen Studien Jahr für Jahr wieder. Die aktuellste ist eine Langzeitstudie des Instituts für Höhere Studien (IHS). Das Ergebnis: Der Bildungshintergrund der Eltern ist entscheidend für den Bildungsweg der Kinder. Er habe sogar mehr Einfluss als Migrationshintergrund, Geschlecht oder Wohnort.

Trotzdem schaffen viele junge Menschen als Erste in ihrer Familie den Sprung an die Hochschule. Laut Sozialerhebung 2025 sind sogar 55 Prozent der Studierenden sogenannte „First Generation“-Studierende. Der Weg dorthin ist mit Hürden verbunden: fehlende Orientierung, finanzielle Sorgen oder familiäre Erwartungen.

„Es geht um den sozialen Aufstieg“

Vor drei Jahren startete Hikmete Sinani-Jetullahu ihr Studium an der Wirtschaftsuni Wien. „Ich habe lange überlegt, ob ich studieren soll. Meine Mama hat mich überredet. Sie wollte immer, dass ich mehr aus mir mache“, erzählt sie dem KURIER. „Als ich den Studienplatz und das Stipendium bekommen habe, hat sie vor Freude geweint“, erinnert sie sich.

Damit ging allerdings ein gewisser Druck einher: „Ich bin die Erste in meiner Familie, die studiert. Ich wollte dem gerecht werden und zeigen, dass es sich lohnt, mich in die Uni zu schicken.“

Der Sozialwissenschaftler Jörg Flecker spricht hier von einer sozialen Aufstiegsorientierung. Eine Tendenz, die Psychologin Elisabeth Hefler-Putz in der psychologischen Studienberatung immer wieder beobachtet. Die Erwartungshaltung der Familie sei mitunter sehr hoch in Bezug auf das potenzielle Resultat – häufig bei prestigeträchtigen Studien wie Jus und Medizin. „Manche Eltern hätten selber gerne eine bessere Karriere oder eine andere wirtschaftliche Lebenssituation gehabt – und das wünschen sie sich nun für ihr Kind.“

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Flecker beobachtet diese Bildungsaspirationen auch bei Familien mit Migrationsgeschichte. Eine Rolle könne dabei spielen, dass Eltern selbst über höhere Bildungsabschlüsse verfügen, die in Österreich jedoch nicht anerkannt werden. Zudem sei Migration häufig mit der Hoffnung auf bessere Lebenschancen verbunden. „Man wandert ja aus, um es besser zu haben“, erklärt er.

Ein Studium wird dann schnell mit „Du hast es geschafft“ gleichgesetzt, beobachtet auch Christian Holzhacker, der seit rund drei Jahrzehnten u. a. als pädagogischer Bereichsleiter der Wiener Jugendzentren tätig ist. Die Herausforderung liegt jedoch nicht nur darin, an eine Hochschule zu kommen, sondern auch darin, dort durchzuhalten. „Auch das Biotop Universität ist nicht diskriminierungsfrei“, warnt er.

Zum ersten Mal „Ersti“: Eine neue Welt

„Ich wurde mein ganzes Leben dazu ermutigt, zu studieren, weil das bei uns noch keiner gemacht hat“, erzählt Studentin Sofia Szalayova. Was genau sie studieren wollte, wusste sie lange nicht. „Ich hatte keine Role Models, keine Vorbilder.“ Inspiration brachte ein Tag der offenen Tür an der Wirtschaftsuniversität Wien. Besonders Wirtschaftsrecht habe es ihr angetan, also bewarb sie sich.

Große Hoffnungen machte sie sich zunächst nicht. „Ich dachte, ich schaffe es nicht, weil ich keine Familie habe, die sich damit auskennt.“ Umso größer war die Freude, als sie tatsächlich einen Studienplatz bekam.

Mit dem ersten Unitag kamen aber neue Fragezeichen. „Die akademische Sprache war mir sehr fremd. Ich wusste nicht, was ECTS oder Kommilitonen sind. Ich habe mich unwohl gefühlt, es fühlte sich an, als würde ich nicht dazugehören.“ Das beobachtet auch Jörg Flecker in seiner Forschung. Gerade am Anfang sei es für viele schwierig, Fuß zu fassen. …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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