„Herrschaftszeiten“-Moderator: „Von einem Schloss kann man nicht abbeißen“

Kultur

Die Selbstironie, die Spiegelfeld in der Sendung auszeichnet, war auch im KURIER-Interview spürbar.

KURIER: Gratulation zur ROMY-Nominierung.

Johann-Philipp Spiegelfeld: Danke vielmals! Ich weiß nicht, wie ich auf diese Liste gekommen bin – noch dazu als Branchenfremder! Das ist etwas ganz Besonderes, und ich freue mich für unser großartiges Team.

Wo drehen Sie denn gerade?

Die „Herrschaftszeiten“-Sendungen für heuer sind schon abgedreht und ausgestrahlt, aber im Oktober fangen wir wieder mit „Herrgottszeiten“ an. Ich darf noch nicht sagen, wohin wir fahren, aber es ist irrsinnig schön in Kremsmünster!

Merken Sie den ORF-Sparzwang?

Ja, ich soll manche Pointen sogar wiederverwenden. (lacht) Wobei ich mir nicht vorstellen kann, eine 45-minütige Sendung noch effizienter drehen zu können. Wir sind drei intensive Tage vor Ort. Jeder weiß, was zu tun ist, der Flaschenhals bin nur ich, weil ich kein ausgebildeter Moderator bin.

Sie sind bekannt für Ihre Späßchen.

Es sprudelt so aus mir heraus, und man sagt, dass ich authentisch bin. Allerdings habe ich neulich gelesen: Authentisch ist das neue Bemüht – und „Bemüht – trotzdem Nicht Genügend“ ist bei mir immer unter der Schularbeit gestanden!

Erstaunlich, wie ungezwungen Sie mit allen Schlossbesitzern plaudern. Sind Sie mit allen verwandt?

Mit vielen bin ich schon verwandt – das ist natürlich Teil des Konzepts, dass wir auch gleich per Du sind und mich alle so offen an ihrem Leben teilhaben lassen.

Woher kommt die Faszination der Menschen für alles Adelige?

Ich weiß es nicht. Aber für Länder mit Königshaus ist es offenbar eine riesige Einnahmequelle.

  „Die Schönheit der Distanz“ erzählt von großer Liebe und dem Tod

Wie groß ist Ihre Familie?

Beim letzten Familientreffen vor 15 Jahren kamen 300 Spiegelfelds zusammen. Auf den Namensschildern wurde mit färbigen Punkten markiert, aus welcher Familie man stammt. Da sieht man erst, mit wem man aller verwandt ist.

Ihre Familie geht auf die Grafen und Freiherren Matz von Spiegelfeld zurück. Ist es eine Last oder eine Lust, aus altem Adelsgeschlecht zu stammen?

Für mich ist das kein Thema. Die Frage ist eher, welche Werte ich von meiner Familie mitbekommen habe. Die versuche ich zu leben: Verantwortung zu übernehmen oder für Leute da zu sein, die Hilfe brauchen.

Daher engagieren Sie sich bei den Maltesern, Funktion Kommandant.

Ich bin überzeugt, dass christlicher Glaube nicht nur etwas ist, worüber man spricht, sondern etwas, das man leben sollte. Bei den Maltesern kann ich genau das tun: für Menschen da sein, die Hilfe brauchen. Ich bin erstaunt über unsere besondere Gemeinschaft. Menschen schenken freiwillig ihre Zeit, übernehmen Verantwortung und stellen sich in den Dienst anderer.

Und was macht ein Kommandant?

Ich bin für vier Jahre für den gesamten Malteser-Hospitaldienst in Österreich verantwortlich.

Haben Sie selbst Schlossbedienstete, die Ihnen den Alltag abnehmen neben so vielen Tätigkeiten?

Nein, wirklich nicht. Die beste Entscheidung meines Lebens war sicher, meine Frau zu heiraten. Sie leistet unglaublich viel, beruflich und für unsere Familie. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. In der Sendung selbst merkt man schnell, dass man von einem Schloss nicht abbeißen kann. Es ist sogar eher abschreckend zu sehen, welche Aufgabe das ist. Das ist ein ständiges Hinterher-Rennen, um dieses kulturelle Erbe zu erhalten …

  Elke Winkens und Barbara Wussow über das Unsichtbarsein

… und dann fließt alles Geld in die Renovierung des Schlossdaches.

Ich habe gelernt: Die größte Freude, die man der …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.