„Die Schönheit der Distanz“ erzählt von großer Liebe und dem Tod

Kultur

Ein Mann begleitet seine schwer kranke Frau im Krankenhaus bis zum Tod. Er versucht, zu verstehen, was sie braucht und will, wo ihre Grenzen sind. Mit Bedacht führt er Rituale ein. Er wäscht ihr Gesicht, schneidet ihre Nägel, flicht ihre Haare. Er tut nichts, was sie nicht will. Bewusst nehmen die beiden Abschied voneinander. Er erinnert sich an die prägenden Stationen ihres gemeinsamen Lebens.

Die japanische Autorin Nao-Cola Yamazaki erzählt in „Die Schönheit der Distanz“ von dieser großen Liebe, die auf Respekt fußt. Aber nicht nur davon: Nao-Cola Yamazaki durchleuchtet den Umgang der Gesellschaft mit Sterbenden. „Es gibt zwar den sogenannten ,Sonderurlaub bei Todesfällen’, aber was soll man mit Urlaub nach dem Tod! Er hätte lieber Urlaub vor dem Tod.“ Sie hinterfragt auch das medizinische Vokabular: Restlebenserwartung, Prognose, Feststellung des Todeszeitpunkts – was bedeuten diese Begriffe für Betroffene? Sie beobachtet ihre Figuren psychologisch präzise, lässt den Lesern aber Raum, sich ihr eigenes Bild zu machen.

Als ein Geschäftspartner seine Frau im Spital besucht und in Tränen ausbricht, denkt er: „Wenn man weinen muss, kann man nichts machen […]. Aber es muss ja nicht unbedingt im Krankenhaus vor den anderen Patienten sein.“ Beim Lesen dieses Buches muss es sein, und das Weinen tut gut.

Es ist aber auch ein tröstlicher Roman. Die Liebe der beiden dauert über den Tod hinaus. Nachdem sie gestorben ist, spricht er sie wieder mit „Sie“ an, wie vor 15 Jahren, als sie sich kennenlernten. Warum? „Seine Frau ist nunmehr noch göttlicher.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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