Bergeweise Müll: Wie Kriminelle in England aus Abfall Profit schlagen

Politik

Wer schon einmal in London auf Urlaub war, kennt die schwarzen Müllsäcke, die oft zu Haufen gebündelt am Gehsteigrand auf die Müllabfuhr warten. Wer sie diesen Sommer passierte, hat sie nicht nur gesehen, sondern auch riechen können. Doch diese Erfahrung ist kein Vergleich zu jenem Gestank, den Bewohner im nordenglischen Bradford derzeit ertragen müssen. 

Auf einem Streifen Grünland hinter dem Fußballstadion zwischen Midland Road und Zuggleisen wurde monatelang illegal Müll zurückgelassen. Regelmäßig dürften Lkws in der Nacht angekommen und Tausende Tonnen Abfall einfach ausgekippt haben. 

„Es stank nach Toten“

Bis zum Sommer war der Müllberg derart angewachsen, dass die Kinder der nahen Blessings Nursery trotz Rekordhitze bei geschlossenem Fenster im Hausinneren spielen mussten. „Es gab Eltern, die ihre Kinder zu uns brachten und es sie wegen des Geruchs reckte“, erzählte Kindergartenpädagogin Liz Thompson dem Guardian. „Es hat nach Toten gerochen, nach richtig verdorbenem Essen. Es war furchtbar.“

Bradford ist mit seinem Müllproblem nicht alleine. In Killington im südenglischen Oxfordshire hat sich ein 150 Meter langer Müllhaufen zwischen Landstraße und dem Fluss Cherwell angesammelt. In Newcastle wurde im August ein Standort mit 400 Tonnen Abfall entdeckt. Insgesamt wurde die Umweltbehörde vergangenes Jahr 10.238 Mal von illegalen Müllplätzen informiert.

Etablierte Praxis

Die Anhäufungen sind häufig Teil organisierter Kriminalität. Scheinunternehmen locken Firmen, die etwa Gewerbemüll loswerden müssen, mit günstigen Preisen, entsorgen den Abfall aber dann nicht fachgerecht, sondern laden ihn auf nicht genehmigten Plätzen ab. In anderen Fällen ist die Müllfirma legitim, arbeitet aber vielleicht unwissentlich mit einer illegalen Organisation zusammen. Kriminelle können die Preise legitimer Anbieter unterbieten und den Müll dann „verschwinden“ lassen.

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Laut Schätzungen der Umweltbehörde soll in England ein Fünftel des gesamten Abfalls illegal bewirtschaftet werden.

Kampf den Müll-Banden

Der neue britische Premierminister Andy Burnham will dem nun Einhalt gebieten. „Die Zeiten, in denen man mit Abfall leichtes Geld verdienen konnte, sind vorbei“, verkündete er beim Besuch in Bradford. 

Künftig sollen verstärkt Drohnen zum Einsatz kommen und die Polizei besser mit der Umweltbehörde und der National Crime Agency zusammenarbeiten. Außerdem werden die Strafzahlungen erhöht: Statt bis dato umgerechnet 350 Euro könnten bis zu 5.800 Euro schlagend werden; in großangelegten Fällen kann es zu Gefängnisstrafen kommen. Und Beamte dürfen Bargeld, Autos oder auch Häuser, die mit Erlösen aus Abfallkriminalität erworben wurden, beschlagnahmen. 

Wo möglich, werden bei der Räumung die jeweiligen Grundbesitzer zur Kasse gebeten. Doch so lange soll bei den sechs größten Deponien – die ingesamt 2.9000 Personen beeinträchtigen – nicht gewartet werden. Hier werden die Aufräumarbeiten mit öffentlichen Mitteln finanziert. 

Ein vorsichtiges Aufatmen für die Bewohner von Bradford. Nach den sinkenden Temperaturen ist der Gestank zwar besser geworden, aber verschwunden ist er noch lange nicht. 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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