Frauenquote in Aufsichtsräten: Studie bekräftigt Nutzen

Politik

Frauen sind in Führungsgremien von heimischen Unternehmen nach wie vor unterrepräsentiert. Eine Studie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) im Auftrag des Frauenministeriums kommt zum Ergebnis, dass Quoten zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten notwendig sind und auch wirken. Gleichzeitig zeige sie, dass Leistung und Qualifikation bei der Besetzung oft weniger zählten als informelle Netzwerke, so Studienautorin Bernadette Allinger am Montag.

Aufsichtsräte setzen sich aus der Kapitalseite, die von den Eigentümern bestellt wird, und der Arbeitnehmerseite, die vom Betriebsrat entsandt wird, zusammen. Auf Kapitalseite zeige sich, dass Männer vorrangig Männer wählen. Laut Studie läuft die Besetzung dort häufig über informelle (Männer-)Netzwerke statt über transparente Verfahren. Auf Arbeitnehmerseite rücke zumeist der oder die Betriebsratsvorsitzende in den Aufsichtsrat, wobei die Vorsitzenden mehrheitlich Männer seien, führte Allinger bei der Studienpräsentation aus.

Durch die gesetzliche Quotenvorgabe von 30 Prozent habe sich der Frauenanteil in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen seit 2018 von 22,4 Prozent auf 35,5 Prozent erhöht. Zum Vergleich: In börsennotierten Unternehmen ohne Quotenvorgabe liege der Frauenanteil zurzeit bei 23,6 Prozent. Zehn börsennotierte Unternehmen haben laut der Untersuchung derzeit keine einzige Frau im Aufsichtsrat.

Nichteinhalten der Quote führt zu „leerem Stuhl“

Aufsichtsräte in börsennotierten Gesellschaften müssen ab dem kommenden Jahr mindestens zu 40 Prozent von Frauen besetzt werden. Wird die Quote bei einer Wahl oder Entsendung nicht erfüllt, muss der Sitz leer bleiben, betonte Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) am Montag. Im Ministerium sei eine Stelle eingerichtet worden, um die ausgewogene Vertretung der Geschlechter in den Leitungsorganen börsennotierter Gesellschaften zu beobachten.

  Russland: „Verhandlungen ja, aber keine Feuerpause“ in der Ukraine

Mit der Anhebung der Quotenregelung von 30 auf 40 Prozent wird die „Women on Boards“-Richtlinie der EU umgesetzt. Die Mindestquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten gilt auch für Männer. Für nicht börsennotierte Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bleibt die bisherige Quotenregelung von 30 Prozent im Aufsichtsrat unverändert bestehen.

Studie: Höherer Frauenanteil wirkt sich positiv auf Arbeit aus

Die Studie legt zudem nahe, dass sich ein höherer Frauenanteil positiv auf die Qualität der Aufsichtsräte insgesamt auswirkt. Das bekräftigte ÖBB Holding-Aufsichtsratsvorsitzende Brigitte Ederer: „Gemischte Teams aus Männern und Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat sind meiner Erfahrung nach eine notwendige Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.“ So führen ihrer Erfahrung nach unterschiedliche Perspektiven zu besseren Entscheidungen. Ederer sei der Quote früher kritisch gegenübergestanden, heute müsse sie zugestehen, dass sie „sehr viel bewirkt“ habe und das richtige Instrument gewesen sei, um eine Veränderung in der Wirtschaft und in Aufsichtsräten zu bringen.

Die Studienautorinnen Ingrid Mairhuber, Bernadette Allinger und Agnes Fessler empfehlen unter anderem die Ausweitung der Quotenregelung auch auf Vorstandspositionen oder GmbHs. Zudem plädierten sie für transparente Bestellungsprozesse und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine stärkere Einbindung von Vätern, etwa durch eine verpflichtende Väterkarenz.

Frauenministerin befürwortet Quote auch auf operativer Ebene

Holzleitner selbst befürworte einer Quote auch auf Vorstandsebene, allerdings gebe es dazu unterschiedliche Sichtweisen in der Dreierkoalition, so die Frauenministerin. „Wenn sich nicht auf natürlichem Wege etwas ändert, dann werden wir auch über Quotenregelungen auf anderen Ebenen weiterhin noch stärker diskutieren müssen“, sagte Holzleitner. Die Quote sei aus ihrer Sicht „nach wie vor das wirksamste Instrument“, um hochqualifizierte Frauen in entsprechende Positionen zu …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.