Nach Dürre-Sommer: „Weiter wie bisher wird für Bauern schwierig“

Wirtschaft

Die heurige Dürre hinterließ Spuren in der heimischen Landwirtschaft. Der Gesamtschaden liegt laut der Österreichischen Hagelversicherung bei über einer Milliarde Euro. Betroffen seien „beinahe alle landwirtschaftlichen Kulturen“, berichtet Barbara Riegler, Bäuerin und Obfrau des Verbands Bio Austria.

Auch sie selbst bekam die Folgen zu spüren. Die Biobäuerin musste für ihre Rinder etwa wegen der schlechten Futterernte Silomais um 25.000 Euro zukaufen. Und mit dem Ende der Dürre hören die finanziellen Einbußen nicht auf: Weil Riegler ihren Viehbestand reduzieren musste, wird es in den kommenden Jahren auch weniger Kälber geben. „Das wird sich wahrscheinlich auf die kommenden fünf Jahre auswirken.“

Bundesregierung schnürt 240 Millionen schwere Hilfspaket

Die Bundesregierung reagierte mit einem 240 Millionen Euro schweren Hilfspaket, um die Bauern finanziell zu unterstützen. Zusätzlich zu einem teilweisen Erlass der Sozialversicherungsbeiträge will der Staat seine Zuschüsse zur Dürreversicherung erhöhen. Bund und Länder übernehmen derzeit 55 Prozent der Versicherungsprämien, ab 2027 sollen es 65 Prozent sein.

Für Riegler geht es aktuell um mehr als kurzfristige Unterstützung. „Weiter wie bisher wird schwieriger“, sagt sie. Die Landwirtschaft müsse sich stärker auf Wetterextreme einstellen.

Dabei sieht sie gerade in der biologischen Landwirtschaft Vorteile. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Stickstoffdünger schont die Böden und fördert die Biodiversität. In Bioböden finden sich zudem deutlich mehr Regenwürmer – laut Riegler bis zu 80 Prozent mehr als in konventionell bewirtschafteten Böden.

Biolandwirtschaft hat ökologischen und gesellschaftlichen Nutzen

Das kann gerade bei wechselnden Wetterbedingungen entscheidend sein, die wegen des Klimawandels in Zukunft immer häufiger auftreten könnten. Humusreiche Böden können Wasser besser aufnehmen und speichern. Bei Starkregen versickert es schneller, bei längeren Trockenperioden bleibt mehr Feuchtigkeit im Boden und steht den Pflanzen länger zur Verfügung. „Die Pflanzen halten dann länger durch“, sagt Riegler.

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Damit hat Biolandwirtschaft einen großen ökologischen Nutzen, wie Sigrid Stagl, Professorin für ökologische Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien, bestätigt. Trotzdem bevorzugt das derzeitige Agrarsystem vielfach die konventionelle Produktion. Der zusätzliche Aufwand der Biobauern – etwa für die aufwendigere Bodenpflege – werde am Markt nicht ausreichend abgegolten.

„Es ist eigentlich verwunderlich, dass so viele Biobauern erfolgreich wirtschaften können, obwohl sie am Markt eine Schieflage gegen sich haben“, sagt Stagl.

Der Umstieg auf Bio wird zum finanziellen Risiko

Der Umstieg auf Bio ist für Betriebe zudem mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Neben notwendigen Investitionen können die Erträge in den ersten Jahren sinken. Riegler selbst berichtet von einer Übergangsphase von rund sieben Jahren, bis sich ihre Böden an die biologische Bewirtschaftung angepasst hatten.

Trotzdem sieht Stagl Österreich in einer guten Ausgangslage. Kein anderes EU-Land hat einen höheren Anteil an biologisch bewirtschafteten Flächen. „Wenn es ein Land kann, dann Österreich“, sagt die Ökonomin.

Doch gerade bei den politischen Rahmenbedingungen sieht Riegler derzeit Probleme. Das bisherige System habe sich jahrelang bewährt, die Bio-Marktpreise seien gut gewesen und auch die Förderungen hätten gepasst. In der aktuellen Förderperiode sei das anders.

Rund 1.000 Biobauern haben zuletzt aufgehört

Die Bio-Förderungen seien nicht ausreichend gewesen, gleichzeitig waren die Preise für konventionelle Lebensmittel vergleichsweise hoch. In den ersten Jahren der laufenden Förderperiode seien deshalb rund 1.000 Landwirte aus Bio ausgestiegen. Der Großteil davon waren Viehbetriebe in Westösterreich.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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