
Die FPÖ feierte am Samstag in Innsbruck ihren „zweiten Geburtstag“, wie es Parteichef Herbert Kickl formulierte. Gegründet wurde die Freiheitliche Partei als Nachfolgeorganisation des Verbands der Unabhängigen (VdU) bekanntlich am 7. April 1956. Am 13. September 1986 übernahm beim historischen Parteitag im Congress Innsbruck dann Jörg Haider die FPÖ.
Ein Wendepunkt: Der nationale setzte sich gegen den liberalen Flügel durch, woraufhin der damalige SPÖ-Chef Franz Vranitzky die Koalition mit der FPÖ aufkündigte. Dass Haider die FPÖ 2005 gespalten hat, scheint mittlerweile vergessen. Stattdessen präsentierte Kickl am Samstag die neue goldene Verdienstmedaille der FPÖ, die Witwe Claudia Haider posthum für ihren 2008 tödlich verunglückten Ehemann entgegennahm.
Strache attackiert Kickl: „Wie groß muss der Schatten sein?“
Vor allem einem Ex-Blauen behagte diese Inszenierung überhaupt nicht: Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der die FPÖ 2005 von Haider übernahm und zu alter Stärke zurückführte – bis ihn das Ibiza-Video im Mai 2019 zum Rücktritt zwang und er im Dezember desselben Jahres aus der Freiheitlichen Partei ausgeschlossen wurde.
Haider werde „zu Recht“ gewürdigt, so Strache auf Social Media. Umso enttäuschender sei aber, dass seine Jahre als Obmann ausgeblendet würden. Strache kritisiert Kickl scharf: „Wie groß muss der Schatten eines Vorgängers sein, wenn man meint, ihn aus der Geschichte der eigenen Partei herausradieren zu müssen? Unter Stalin war dies durchaus üblich.“ Strache attestiert Kickl einen Mangel an „politischer Größe“, die sich auch darin zeige, „die Verdienste jener anzuerkennen, mit denen einen heute vielleicht manches trennt“.
Strache unterstellt Kickl zudem „Geschichtsklitterung“ (Anm. verfälschende Darstellung historischer Ereignisse). Das trifft insofern zu, als dass Strache und sein damaliger Generalsekretär Kickl sich nach der Parteispaltung beide öffentlich von Haider distanzierten. Gleichzeitig war auch Strache für Haider-Inszenierungen anfällig. Etwa, als der ehemalige BZÖ-Obmann Gerald Grosz 2018 die „Jörg-Haider-Medaille“ verlieh.
Hofer kann Kritik nicht nachvollziehen
Strache und Kickl waren bekanntlich nicht die einzigen FPÖ-Parteiobmänner seit Haiders Ära. Wie beurteilt Norbert Hofer, Parteichef von 2019 bis 2021, Straches Kritik?
Er könne sie in dieser Form „nicht nachvollziehen“ und sehe auch das Problem nicht, meint Hofer zum KURIER: „Es war ein Event im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums, da ist es gerechtfertigt, dass ich oder andere nicht vorkommen.“ Er selbst habe sich mit Strache als auch Kickl ausgesprochen und zu beiden ein entspanntes Verhältnis, betont Hofer, der derzeit keine großen politischen Ambitionen hegt.
Source:: Kurier.at – Politik



