
Eigentlich dürfte es den Film gar nicht geben, denn er sollte vom Studio Warner Bros. nur als Verlegenheitsprojekt aus steuerlichen Gründen produziert werden. Trotz überaus positiv verlaufender Testvorführungen entschied Warner-CEO David Zaslav, den Film nicht zu veröffentlichen, weil sich herausstellte, dass die Firma so im Endeffekt weniger Steuern zahlen musste. Ein anderer Produzent – Ketchup Entertainment – sprang ein.
Liebenswerte Underdogs
Zum Glück, muss man sagen, denn „Coyote vs. ACME“ hat alles, was man sich von einem intelligent gemachten Animationsfilm erwartet. Kultige Hauptfiguren, einen sympathischen und einen abgrundtief bösen menschlichen Widerpart. Es ist einer der raren Filme geworden, die wirklich unterhalten und beinahe zwei Kinostunden zum Vergnügen machen.
Wile E. Coyote hat es satt, bei seinen legendären Verfolgungen des Roadrunners (ja, das gelbe Hühnervieh mit dem markanten Beep! Beep!) ständig draufzuzahlen. Ihm fällt auf, dass alle Gerätschaften und Vorrichtungen, mit denen er den Roadrunner einfangen will, allesamt von der Firma ACME stammen. Also beschließt er kurzerhand, den Konzern zu verklagen und nimmt sich den Anwalt Kevin Avery (Will Forte), der sympathisch, aber völlig ehrgeizlos ist. Avery lebt nämlich von Vergleichen, nicht von Siegen vor Gericht. Der Kampf gegen den mächtigen Konzern, der sich die aggressivsten und teuersten Rechtsvertreter leisten kann, scheint aussichtslos.
Gegen die Mächtigen
Stoisch arbeitet sich Avery in den Fall ein, wird von ACME-Anwaltskollegen (John Cena) verspottet. Doch ein Wile E. lässt sich nicht so schnell unterkriegen. Als bei der Gerichtsverhandlung alles schiefläuft, taucht ein überraschender Helfer für ihn auf. Der Kleine nimmt den Kampf gegen die Großen auf und hat keine Angst vor den großen Tieren (oder zeigt sie zumindest nicht), so die Moral der G’schicht.
Dave Greens Mischung aus Realfilm und Animation funktioniert gut. Der Name von Coyotes Anwalt ist natürlich eine Hommage an Warner-Zeichner Tex Avery, der wie sein Warner-Kollege Chuck Jones Hollywoods kultigste Animationskurzfilme schuf. Disney war das Studio, das die konservativen Werte Amerikas hochhielt, bei Warner arbeiteten stets die Subversiven. Von denen würden die USA auch heute mehr brauchen.
INFO: USA 2026. 101 Min. Von Dave Green. Mit Will Forte, John Cena, Lana Condor.
Source:: Kurier.at – Kultur



