
Sollte es jemals wirklich ein bäuerliches Idyll gegeben haben mit saftigen Feldern und fettem Vieh, hat 2026 klar gezeigt, dass diese Zeiten vorbei sind.
Plus 18 Prozent?
Am Dienstag hat das Landwirtschaftsministerium den jährlichen „Grünen Bericht“ vorgelegt. In diesem blickt die Politik auf das vergangene Kalenderjahr zurück. Auf dem Papier liest sich das Dokument für 2025 wie eine willkommene Atempause: Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft kletterten im Schnitt um 18 Prozent auf 47.102 Euro je Betrieb, auch das reale Faktoreinkommen stieg.
Wer den 300 Seiten starken Bericht aufmerksam liest, erkennt, dass die guten Zahlen von 2025 eher keine Trendwende waren, sondern ein Zwischenhoch – vor dem Absturz. Denn, wie inzwischen weithin bekannt, herrscht auf den heimischen Äckern und Almen im Spätsommer 2026 nur mehr Katerstimmung.
Ernteschäden bei einer Milliarde Euro
Die verheerende Dürre hatte (und hat) weite Teile Österreichs im Griff. Die Österreichische Hagelversicherung bezifferte Mitte August die heurigen Ernteschäden bereits auf rund eine Milliarde Euro und spricht von einer „historischen Katastrophe“. Die Herbstkulturen waren da erst zu einem kleinen Teil eingerechnet, es sollte also nicht verwundern, wenn die Schadensumme noch um ein paar Hundert Millionen ansteigt.
„In nahezu allen Landwirtschaftssektoren ist für 2026 ein deutliches Einkommensminus zu erwarten, die Lage auf vielen Höfen ist trotz angekündigter Hilfen prekär“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger. „Wie schwierig die Einkommensentwicklung in der Land- und Forstwirtschaft ist, verdeutlicht auch die Tatsache, dass viele Betriebe in den letzten Jahren ihre Stalltüren für immer geschlossen haben. Von einem Polster, der für Investitionen dringend notwendig wäre, kann angesichts der Achterbahnfahrt, die bei den bäuerlichen Einkommen herrscht und durch Klima- und Marktturbulenzen verstärkt wird, oftmals keine Rede sein.“
Selbstversorger
Spannend sind im Grünen Bericht etwa die Zahlen zur Selbstversorgung 2025: Bei Trinkmilch liegt der Selbstversorgungsgrad bei 177 Prozent, bei Rind- und Kalbfleisch bei 148 Prozent und bei Käse bei 107 Prozent. Das bringt zwar im Export Devisen, bindet die heimische Landwirtschaft aber massiv an die Futterbasis. Und gerade diese ist besonders in Mitleidenschaft gezogen worden – die „Grünlandbauern“ waren klar unterversichert, schlicht und einfach, weil es braune statt grüne Wiesen im August flächendeckend in ganz Österreich noch nie gegeben hat. Zahlreiche Rinder- und Milchbauern mussten bereits im Hochsommer ihre Winterreserven verfüttern oder teures Futter zukaufen. Kein Wunder also, dass viel mehr Vieh als üblich derzeit geschlachtet wird.
Unterversorgung
Ganz anders die Situation bei Gemüse und Obst. Hier kann sich Österreich nicht selbst ernähren: Der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse liegt bei lediglich 57 Prozent, bei Obst gar nur bei 38 Prozent und bei pflanzlichen Speiseölen bei 26 Prozent. Selbst bei Getreide (85 %) und Erdäpfeln (82 %) wird der Inlandsbedarf rechnerisch nicht voll abgedeckt.
Fest steht inzwischen auch, dass genau diese Schere im Dürrejahr 2026 zur Zerreißprobe wird: Denn bei den pflanzlichen Kulturen brechen die Ernten heuer dramatisch ein – die Apfelernte liegt um mehr als ein Drittel unter dem Vorjahr, der Weinertrag um ein Viertel unter dem Langzeitschnitt. Österreich muss heuer noch mehr Obst und Gemüse zukaufen.
Der zweite wunde Punkt betrifft das Risikomanagement der Betriebe.
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Source:: Kurier.at – Politik



