Trump und seine Fed-Chefs: Nie machen sie, was er will

Politik

Wonach er seine Zentralbankchefs aussucht, machte Donald Trump schon einige Male klar. Der jetzige Fed-Chef Kevin Warsh und dessen Vorgänger Jerome Powell seien beide „central casting“, sagte der US-Präsident – sprich wie aus einem Modelkatalog für gut gekleidete Notenbanker.

Von beiden hatte er darum auch erwartet, dass sie nach seiner Pfeife tanzen. Als Powell das nicht tat, nannte er ihn öffentlich mehrfach einen „Idiot“; im Mai schasste er ihn zugunsten von Kevin Warsh. Der Schwiegersohn eines mächtigen Trump-Wahlkampfspenders ließ den Präsidenten nun aber auch hängen: Nach vier zögerlichen Monaten verkündete Warsh am Mittwoch, dass der Leitzins erstmals seit drei Jahren erhöht wird – und zwar um 0,25 Prozent. Eine weitere Erhöhung soll noch dieses Jahr folgen.

Billiges Geld, wie Trump es sich davor immer lautstark gewünscht hatte, wird es damit so bald nicht geben. Warsh sei der Kampf gegen die Teuerung wichtiger, sagte er; die Inflation liegt mit 3,4 Prozent deutlich über der anvisierten Teuerungsrate von zwei Prozent. Dazu schickte man Trump eine deutliche Botschaft: Die ganze Fed-Führung machte klar, dass sie nicht Marionette der Politik sein will. Nicht nur Warsh, sondern das ganze Board stimmte für die Erhöhung, auch die zwei von Trump ernannten Mitglieder.

„Verschwörung“

Für Trump ist das mehr als ein Affront, er wittert dahinter eine Verschwörung. „Aus politischen Gründen“ habe die Fed dies entschieden, man wolle ihm „so viel Schaden wie möglich zufügen“. Auf Truth Social forderte er in Großbuchstaben eine sofortige Zinssenkung.

Tatsächlich könnten die höheren Zinsen ihm realpolitisch um die Ohren fliegen. In knapp 50 Tagen wird der Kongress neu gewählt, und den Republikanern droht bereits jetzt der Verlust beider Kammern – für Trump wäre es dann mit dem leichten Durchregieren vorbei. Hätte die Fed die Zinsen gesenkt, wäre den Republikanern auf kurze Sicht geholfen gewesen: Viele US-Amerikaner finanzieren ihr Leben auf Pump, niedrigere Kreditkarten-Kosten wären ein guter Wahlkampfgag gewesen. Dazu würden auch die Zinsen auf die historisch hohen Staatsschulden sinken.

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Dass die Fed diesem Wunsch nicht nachkommt, zeigt das Dilemma, in dem Trump steckt. Er war es, der die Teuerung mit Iran-Krieg und Zollpolitik erst angeheizt hat, doch aus beidem findet er politisch keinen Ausweg.

Lose-lose-Situation

Wäre die Fed seinem Wunsch nachgekommen, hätte ihm das wirtschaftlich aber auf lange Sicht auch nicht genutzt: Niedrigere Zinsen hätten die Inflation noch mehr angeheizt, argumentieren die Notenbanker – und das hätte das Leben der Amerikaner verteuert. Dasselbe gilt aber auch für die Anhebung: Die höheren Zinsen werden zu weniger Wirtschaftsaktivität und zu geringerer Nachfrage führen, was wiederum die Lohnentwicklung dämpft. Für die US-Bürger ist das Ganze also eine Lose-lose-Situation.

Der Rest der Welt wird die Auswirkungen der Fed-Geldpolitik über Umwege spüren. „Solche Entscheidungen haben immer Auswirkungen auf die Kapitalmärkte“, sagt Thomas Url, Ökonom beim WIFO. Durch die höheren Zinsen fließe mehr internationales Kapital in die USA, was den Dollar stärke – Länder, die sich in Dollar verschuldet haben, etwa in Lateinamerika, Afrika oder Asien, trifft das hart.

In Europa hat die EZB eine ähnliche Zins-Richtung eingeschlagen wie die Fed, darum wird der Euro laut Url auch nicht unter einem starken Dollar leiden. Merken könnte man hier …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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