
Von Susanne Zobl
Wie oft kommt es vor, dass man bei einem Klavierabend an den grünen Rasen von Wimbledon denkt? Martha Argerich hat es möglich gemacht. Mit Lilya Zilberstein und deren Söhnen Anton und Daniel Arkadij Gerzenberg versetzte die Grande Dame des Klaviers das Publikum im großen Saal des Wiener Konzerthauses in Euphorie.
Bereits 2024 begeisterte das Quartett. Fortgesetzt wurde, wo man vor zwei Jahren eingesetzt hat, nämlich mit Bedřich Smetana. Mit dessen Sonatensatz in e-Moll gab es einen rasanten Auftakt. Hier spielen nicht zwei Generationen, nicht eine Mutter mit ihren Söhnen, sondern vier Champions. Das war ein furioses Aufschlagen und Volée-Übernehmen. Bei Carl Czernys „Rondeau brillant“ für Klavier zu sechs Händen überließ Argerich Zilberstein und Söhnen das Podium. Bei Rachmaninow waren die beiden Damen in ihrem Element.
Zum Schwelgen luden sie mit Auszügen aus dem „Fantaisie-Tableaux“ ein, wobei Argerich den Steinway zum verträumten Singen brachte. Zilberstein faszinierte mit atemberaubenden Läufen. Beim eingängigen „Allegretto“ aus Beethovens „Siebter“ in A-Dur waren sie wieder alle vereint. Gern hätte man auch die anderen Sätze gehört.
Furios
Den zweiten Teil eröffneten die Brüder Gerzenberg mit Dmitri Schostakowitschs Concertino für zwei Klaviere. Furios arbeiteten sie die typischen Motive heraus. Für die Auszüge aus Robert Schumanns „sechs Stücken in kanonischer Form“ war Daniel Arkadij Gerzenberg Argerichs idealer Partner. In der Fassung von Claude Debussy generierte er Momente voller Poesie. Zu einem der Höhepunkte geriet Maurice Ravels „La valse“ mit Argerich und Anton Gerzenberg. Furios ließen sie das Gespenstische hören. Zum Finale brillierten sie im Quartett mit Auszügen aus Edvard Griegs „Peer-Gynt-Suite“. Zwei Zugaben und Ovationen.
KURIER-Wertung: ***** von *****
Source:: Kurier.at – Kultur



