Erste Festnahmen nach Fund von neun Frauenleichen in Südafrika

Politik

Es ist eine Mordserie, die das ganze Land erschüttert. Innerhalb von zwei Monaten wurden in Südafrika neun Leichen von getöteten Frauen in Parks oder neben Straßen entdeckt. Sie wurden halbnackt oder nur in Unterwäsche zurückgelassen und wiesen Spuren schwerer Misshandlung auf. Ob die Morde zusammenhängen, ist noch unklar. Jetzt müssen sich zwei Frauen wegen der Tötung eines Opfers vor Gericht verantworten. Die Polizei spricht von einem „Durchbruch“.

Ersten zwei Verdächtigen vor Gericht

Am Montag erschienen zwei weibliche Tatverdächtige im Alter von 31 und 28 Jahren vor dem Amtsgericht von Boksburg östlich von Johannesburg. Sie sind wegen der vorsätzlichen Tötung eines der Opfer angeklagt.

Es handelt sich um den Fall einer Frau, die am 17. September mit aufgeschlitzter Kehle und Stichwunden gefunden wurde. Sie ist das neunte Opfer, das seit Juli in der Metropolgemeinde Ekurhuleni östlich von Johannesburg entdeckt wurde.

Vor Journalisten erklärte die stellvertretende Polizeichefin, Lieutenant General Tebello Mosikili, am Montag, dass „ein Team von Analysten unter Hochdruck daran arbeitet zu prüfen, ob es Verbindungen zwischen all diesen Fällen gibt“. Dieser spezifische Fall „scheint jedoch auf einen Mord hinzudeuten, der aus einer Beziehung resultierte“, sagte Mosikili und sprach von einem „möglichen Liebesdreieck“.

15 Femizide pro Tag

In Südafrika ist die Femizidrate fünfmal höher als der globale Durchschnitt, wie die UN-Organisation „UN Women“ bekannt gibt. Das entspricht etwa 15 Femiziden jeden Tag.

Im Jahr 2019 wurde in Südafrika nach einer massiven Protestwelle wegen geschlechtsspezifischer Gewalt der nationale Notstand ausgerufen. Seit Beginn der Covid-Pandemie haben sich Gewalt- und Sexualdelikte gegen Frauen deutlich gehäuft. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa ließ daraufhin einen Notfallplan erstellen, in dem unter anderem Verschärfungen des Strafrechts, Schulprogramme zur Aufklärung und auch die Aufstockung von Geldern für Frauenhäuser vorgesehen waren.

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Die Fälle von (sexueller) Gewalt an Frauen sind allerdings nicht gesunken, sondern noch weiter gestiegen. In Südafrika wurden 2024 nach offiziellen Zahlen 5.578 Frauen aufgrund ihres Geschlechtes getötet. Statistisch entspricht das ungefähr einem Femizid alle zweieinhalb Stunden. 

Tief verankerte Strukturen

Warum die Femizidrate gerade in Südafrika so extrem hoch ist, hat tief sitzende Gründe. Naeemah Abrahams, Leiterin der Genderforschung des südafrikanischen Medizinischen Forschungsrats, erklärte in einem Interview mit dem Spiegel, dass diese grassierende „Kultur der Gewalt“ eng mit der Geschichte des Landes verknüpft sei: „Die Apartheid hat immer noch Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir mit Konflikten umgehen.“ Zudem dominiere ein toxisches Rollenbild. „Viele junge Männer verstehen Gewalt als Zeichen von Männlichkeit“, so Abrahams weiter: „Sie schlagen zu, um andere zu dominieren.“

Protest-Läufe

Die jüngsten Morde haben in Südafrika eine Welle des Zorns ausgelöst. Besonders das Schicksal einer 38-jährigen Frau, die Anfang September beim Joggen abgefangen und Tage später tot im Gebüsch gefunden wurde, bewegt die Menschen. Als Reaktion darauf organisierten Frauenrechtsgruppen und Sportvereine am Wochenende Protestläufe in den Großstädten, um lautstark auf die mangelnde Sicherheit von Frauen aufmerksam zu machen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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