Oskar Haag: „Du kannst den Faschisten nicht ausweichen“

Kultur

„Bis zum Tag der US-Wahlen hat Politik nie in meinen Songs stattgefunden“, erklärt Oskar Haag. „Aber da war ich so sauer. Das musste raus.“

Die Wut über den Sieg von Donald Trump entlud sich in „I Wish Change Was Real“, einem der 15 Songs von Haags zweitem Album „Lost Cause“. Alles hat der 21-Jährige da hinein gepackt – vom „Orange Man“ Donald Trump und dem „Puppetmaster“ Elon Musk über Kapitalismus-Kritik und den Nahost-Konflikt bis zu Herbert Kickl, dem er die letzte Strophe gewidmet hat.

Schließlich ist der gebürtige Klagenfurter einst wegen der dort so präsenten rechten Szene nach Wien geflüchtet. „Wenn man an dem Ort, wo Jörg Haider verunglückt ist, vorbeifährt, sind dort heute noch jeden Tag frische Blumen“, erklärt Haag im KURIER-Interview. „Das ist irre. Ich bin mit anderen Werten groß worden. Aber wenn du in Klagenfurt ausgehst, spielt sich das auf gefühlt 500 Quadratmetern ab, du triffst deine linken Freunde, kannst den rechten Faschisten aber nicht ausweichen. Ich trage gerne Nagellack. Das ist kein Statement, es gefällt mir einfach gut. In Klagenfurt gab es aber immer jemanden, der mir deshalb eine reinhauen wollte. Zum Glück kam es nie dazu. Denn ich kann mich gut rausreden und habe einen Freund, der 1,95 groß ist. Der stand dann hinter mir und sagte: ,Gibt es ein Problem?‘“

Musikalisch wird die Bedrohung in „I Wish Change Was Real“ durch chaotisch verzerrte E-Gitarren illustriert, die die akustische Grundstruktur des Songs kontrastieren. Generell liefert Haag mit dem Album eine perfekte Mischung aus sanftem Liedermacher-Flair und rockigeren Sounds, aus zumeist selbst gespielten Instrumenten und elektronischen Effekten.

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Zerbrochene Liebe

Alle Songs, sagt er, handeln von der Zeit des Erwachsenwerdens. Aber nicht alles ist aus seinem Leben gegriffen. Er singt oft von zerbrochener Liebe und dem Alleinsein, ist aber, seit er 14 ist, mit derselben Freundin zusammen. „Der Song ,Sailor And The Sea‘ handelt von den zwei Wochen, in denen wir getrennt waren, als ich 16 war. Ich hab’ damals sofort gemerkt, dass es eine blöde Entscheidung war, sich zu trennen, und wir sind seither wieder zusammen. Warum ich trotzdem viel über zerbrochene Liebe schreibe, weiß ich nicht. Ich hatte einmal einen Song, der hieß ,Maybe I’m Better Off Without Your Love“. Meine Freundin sagte: ,Was? Wieso schreibst du so was?‘ Ich sagte: ,Keine Ahnung, es passiert halt so.‘“

Zwei Songs des Albums sind von seinem Chemielehrer inspiriert: „Ich habe die Schule mit 16 abgebrochen“, erklärt Haag, dessen Stern beim Popfest Wien aufging, als er 15 war. „Ich war im bildnerischen Zweig, und der Chemielehrer war verbittert, hatte Probleme mit Künstlern. Als ich 14 war, hat er zu mir gesagt, dass aus mir nichts wird, weil ich zu faul bin. Daher der Titelsong ,Lost Cause‘. Und als ich mit 16 darüber zu sprechen begann, dass ich die Schule abbrechen werde, habe ich in seinem Unterricht einen blöden Schmäh über Drogen gemacht. Daraufhin er: ,Wenn du so dumm bist, dass du die Schule abbrichst, würde es mich nicht wundern, wenn du drogensüchtig wirst.‘ Darauf basiert ,Drop Out‘.“

Als eines der größten künstlerischen Talente der heimischen …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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