Neuer Fall für Miss Marple: „Sie wurde um eine Nilfahrt betrogen!“

Kultur

Ihren ersten Krimi von Agatha Christie hat Lucy Foley mit zwölf Jahren gelesen. „Sie war die erste ,Erwachsenen-Literatur’, die ich gelesen habe. Ich bin sozusagen von Enid Blyton direkt zu Agatha Christie gesprungen.“ Dass es ganz schön blutig zugeht in „Mord im Orient-Express“, ihrem Christie-Erstling, hat Foley gar nicht so wirklich bemerkt. „Ich war viel zu süchtig danach, das Rätsel selbst aufzulösen. Erst, als ich dann als Erwachsene wieder zurückgekommen bin zu diesen Krimis, habe ich gesehen, wie dunkel sie auch sind.“

Am Mittwoch erscheint Lucy Foleys Miss-Marple-Krimi „Mord im Grand Alpine Hotel“. Sehr unterschiedliche Personen – ein Politiker und seine Frau, dessen zwielichtiger Freund, eine Hollywood-Schauspielerin, einige andere und eben Miss Marple, ihre betagte Freundin Mrs. Bantry und deren Gesellschafterin bilden eine kleine Schicksalsgesellschaft im Schnee. Es ist das erste Mal, dass der Agatha Christie Estate erlaubt hat, dass jemand anderer als die Krimi-Autorinnen-Legende selbst einen Roman über Miss Marple schreibt. Deren letzter Auftritt war vor 50 Jahren.

Ein Schnee-Urlaub

Wobei, so ganz stimmt das nicht. Denn vor vier Jahren erschien die Anthologie „Marple“, in der zeitgenössische Krimiautorinnen der alten Dame aus St. Mary Mead jeweils ein neues Kurzgeschichten-Abenteuer bereiteten. Auch Lucy Foley. War das eine Art Casting? „Ich glaube nicht. Aber es war schon rätselhaft. 18 Monate nach dem Erscheinen des Buchs kam die Anfrage, ob ich mir vorstellen kann, einen Marple-Roman zu verfassen.“

Die Antwort war natürlich klar. Auf jeden Fall wollte Lucy Foley das tun. Und was sie auch machen wollte: Miss Marple mal wieder einen Urlaub gönnen. „Sie hat ja nur einen einzigen, in ,Karibische Affäre’. Herumreisen darf immer nur Hercule Poirot. ,Tod am Nil’ hatte Christie eigentlich anfänglich mit Miss Marple angedacht! Aber die arme Frau wurde um diesen Trip betrogen“, sagt Foley und lacht. In ihrem Buch darf die Ermittlerin nun auch mal ihren örtlichen Radius erweitern – bis in die Schweizer Alpen.

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Für Foley selbst war das auch nicht ganz unangenehm: „Das ist der Spaß am Bücherschreiben: Ich machte einige Recherchereisen, nach Zermatt, Chamonix, St. Moritz und habe mir Hotels angesehen. Das hat sich allein schon deswegen ausgezahlt, weil ich in einem davon historische Fotos von Kellnern auf Schlittschuhen gesehen habe. Das ist so schön mondän und habe ich natürlich verwendet!“

Diebische Freude

Ansonsten hat Foley als Vorbereitung alle Marple-Bücher viermal gelesen, manche noch öfter. Aber sie hat sich auch in ein besonderes Genre, das nach dem Zweiten Weltkrieg populär war, vertieft: „Da gab es eine bestimmte Art von Berg-Thriller, sehr maskuline Geschichten, von Männern für Männer geschrieben. Ein Vertreter war etwa Hammond Innes, er schrieb ,Der einsame Skifahrer’ und Ähnliches. Die Frauenfiguren sind da wie Scherenschnitte. Also es gab die Femme fatale und die brave Frau etc. Mir hat es diebische Freude gemacht, die Motive aus dieser Art von Büchern zu nehmen und sie in eine feministischere Umgebung zu setzen. Und mittendrin die beiden alten Damen“, erzählt Foley amüsiert.

Was ist der Grund dafür, dass Miss Marple noch heute Leser findet? „Es war einfach so clever, was Christie mit dieser Figur gemacht hat. Sie war damals wirklich eine radikale …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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