Saisonauftakt der Wiener Philharmoniker: Fest für exquisiten Klang

Kultur

Von Susanne Zobl

So beginnt ein Eliteorchester seine Spielzeit: mit einem Werk eines bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts und mit einem Dirigenten, der ein besonderes Gespür für diese Musik hat.

Die Wiener Philharmoniker hatten mit der vierten Symphonie des polnischen Komponisten Witold Lutoslawski (1913–1994) und Esa-Pekka Salonen am Pult, gute Voraussetzungen für einen spannenden Saisonbeginn geschaffen. Denn der gebürtige Finne, der auch selbst komponiert, ist in der Musik des 20. Jahrhunderts in seinem Kernrepertoire unterwegs. Das hört man beim Auftakt in jeder Phase.

Lutoslawski brachte seine zweiteilige Symphonie mit deren Auftraggeber, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, 1993 zur Uraufführung. Salonen, Chefdirigent dieses Orchesters, spielte sie ein Jahr später mit diesem Klangkörper ein. Das Faszinierende sind die Gegensätze, die ein Spannungsfeld zwischen Avantgarde und klassischer Symphonik erzeugen.

Das geschieht gleich zu Beginn, wenn sich eine melancholische Klarinette als einsame Stimme ihren Weg durch die dunklen, tiefen Streicher-Passagen bahnt. Oder die Stimme der Solo-Violine, die immer wieder aufblitzt. Konzertmeister Volkhard Steude intoniert diese mit Brillanz.

Ideal für Philharmoniker

Der erste Teil bereitet quasi den zweiten vor. Alle Instrumente werden in diesen 20 Minuten stark gefordert, ein ideales Stück für die Wiener Philharmoniker. Das nervöse Vibrieren und die flirrenden Glissandi wühlen auf. Subtil verwebt Salonen die Ad-libitum-Passagen ins Geschehen und kehrt die Experimentierfreude des Komponisten hervor. In den orchestralen Klangfarben kündigt sich ganz zart Claude Debussy an. Mit dessen symphonischen Skizzen „La Mer“ wird das dramaturgisch klug konzipierte Programm fortgesetzt.

Mit absoluter Klarheit formuliert dieser Dirigent die Motive und generiert ein Klanggemälde aus unzähligen Farben. Die Philharmoniker folgen ihm höchstkonzentriert.

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Salonen, „Creative Director“ des Los Angeles Philharmonic, wird in der Saison 2027/28 den „Creativity and Innovation Chair“ der Philharmonie de Paris übernehmen und Chefdirigent des Orchestre de Paris. Wie erfreulich eine weitere Zusammenarbeit mit den „Wienern“ wäre, manifestiert sich bei Jean Sibelius’ „Fünfter“ in Es-Dur, bei der Esa-Pekka Salonen seine Qualitäten als feinsinniger Klangmaler demonstriert. Er gestaltet diese Symphonie wie einen musikalischen Film über einen Frühsommertag, an dem die Bewölkung in sonnigen Momenten den Blick auf den Himmel freigibt. Sublim lässt er einen zarten Hauch von Beethoven durchwehen.

Die Flöten simulieren frohsinnige Vogelstimmen. Der Sog, den Salonen mit dem Pendelmotiv erzeugt, zu dem Sibelius fliegende Schwäne inspiriert haben, lässt einen auch lang nach dem Konzert nicht mehr los. Großer Jubel für diesen erfrischenden Saisonauftakt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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