Alles halb so schlimm? Fünf Gründe für eine große Pensionsreform

Politik

Ist das heimische Pensionssystem zu teuer oder nicht? Heuer muss der Staat die Pensionen mit rund 34 Milliarden Euro stützen – davon 20,3 Milliarden in die gesetzliche Altersvorsorge. Bis 2030 steigen die Gesamtkosten jene Budgetposten, die das Finanzministerium dem Pensionssystem zurechnet, auf 41 Milliarden Euro.

Vorschläge für eine nachhaltige Reform lägen auf dem Tisch. So fordern namhafte Ökonomen wie WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr oder Fiskalratspräsident Christoph Badelt eine Koppelung des gesetzlichen Pensionsalters an die Lebenserwartung. 

Zuletzt versuchten unter anderem FPÖ-Chef Herbert Kickl, SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler oder ÖGB-Chef Wolfgang Katzian (SPÖ) zu kalmieren: Der aktuelle Anstieg der Pensionskosten würde Mitte der 2030er-Jahre in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wieder sinken. Stimmt das? Wird die Debatte mit zu viel Alarmismus geführt? Ökonom Dénes Kucsera vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria hält mit Rechenbeispielen und Statistiken gegen diese Erzählung.

1. Pensionen sind heute mehr wert und werden länger ausbezahlt.

Kucsera hat berechnet, welchen „Barwert“ Pensionszahlungen im Vergleich zwischen den Jahren 1970 und 2025 haben. Der Barwert beschreibt den aktuellen Wert einer Geldsumme, die man erst in der Zukunft bekommt. Im folgenden Rechenbeispiel handelt es sich also um jene Summe, die man für einen Pensionisten am Pensionsantrittstag zur Seite legen müsste, um die Pension bis zum Lebensende bezahlen zu können.

Die durchschnittliche Bruttopension eines Mannes – 2.163 Euro pro Monat – hatte 1970 einen Barwert von 367.000 Euro. 2025 ist der Barwert mit 519.000 Euro um 41,4 Prozent höher. Ähnliches Bild bei einer Frau mit einer Bruttopension von 1.337 Euro pro Monat. 1970 war sie 292.000 Euro wert, 2025 bereits 375.000 Euro – und somit um 28,3 Prozent höher.

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Warum ist der Barwert so stark gestiegen? „Das faktische Pensionsantrittsalter ist seit 1970 zirka gleichgeblieben, die Lebenserwartung aber sehr stark gestiegen. Die Menschen verbringen also viel mehr Zeit in Pension“, sagt Kucsera. Das faktische Antrittsalter der Männer stieg von 1970 bis 2025 nur minimal, von 61,9 auf 62,5 Jahre – jenes der Frauen von 60,4 auf 60,9 Jahre. Gleichzeitig verbrachten Männer 1970 nur 13,9 Jahre in Pension, während es heute 21 Jahre sind. Bei Frauen waren es damals 18,7 Jahre, heute sind es 25,6 Jahre.

2. Bei den hohen Bundeszuschüssen zum Pensionssystem handelt es sich nicht nur um ein Übergangsproblem.

Unter anderem Kickl, Babler und auch die Seniorenvertreter argumentieren, dass sich die Situation mittelfristig entspanne. Nämlich Mitte der 2030er-Jahre, wenn die Kohorte der Babyboomer in Pension gegangen ist. Was stimmt: Der Bundeszuschuss steigt in Prozent des BIP von derzeit rund sechs Prozent bis 2034 auf etwa 6,5 Prozent. 

Danach sinkt er laut Prognose der Alterssicherungskommission zwar leicht, bleibt aber konstant und deutlich über sechs Prozent. „Ja, das Problem entschärft sich, da haben Kickl und Babler schon recht. Aber eben nur minimal, die Bundeszuschüsse bleiben auf extrem hohem Niveau“, sagt Kucsera. Von einer Entlastung des Systems könne keine Rede sein, eher von einer „Stabilisierung des Problems.“

3. Auch die Gesundheits- und Pflegekosten steigen aufgrund der alternden Bevölkerung.

Die größten staatlichen Kostentreiber in den kommenden Jahrzehnten sind nicht die Pensionen, sondern die Gesundheits- und Pflegekosten – aufgrund der alternden Bevölkerung und des Fortschritts im medizinischen Bereich. Das zeigt auch die langfristige Budgetprognose …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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