„Tosca“ an der Staatsoper: Jubel nach Blitzgenesung zweier Sänger

Kultur

Kritik. Um sieben Uhr sei man ohne Cavaradossi dagestanden, um neun Uhr auch noch ohne Scarpia, informierte Staatsoperndirektor Bogdan Roščić das Publikum vor der ersten Vorstellung der aktuellen „Tosca“-Serie.

Die Entwarnung konnte er jedoch gleich nachreichen.

Denn beide Sänger hatten ihre Viren erfolgreich bekämpft. Jonathan Tetelman verkörperte Puccinis Maler Cavaradossi mit voller vokaler Power. Bereits bei seiner ersten Arie, dem „Recondita armonia“, setzte er auf die Kraft seiner Stimme und wurde dafür zurecht bejubelt. Man konnte sich dabei vorstellen, wie er ein Dezibel-Messgerät zum Ausschlagen gebracht hätte. Dieser Tenor verfügt über ein silbernes Timbre, das in den hohen Tönen aufblitzt und in den lyrischen Momenten wie gleißendes Licht strahlt. Bei seinen „Vittoria“-Rufen tobte er sich aus. Das „E lucevan le stelle“ trug er mit Innigkeit vor und kehrte dunkle Schattierungen hervor.

Ambrogio Maestri, dem zweiten „Blitz-Genesenen“, war auch nichts von einer Beeinträchtigung anzumerken, als er seinen weichen Bassbariton im „Te Deum“ eine gewisse Mächtigkeit verlieh. Den Scarpia zeigt er mehr wie einen Bürgermeister, der keine Gelegenheit auslässt, um sein Amt zu missbrauchen, als einen dämonischen Polizeichef. Seine Lust auf Floria Tosca nimmt man ihm nur mit sehr viel Fantasie ab.

Das ist anders bei Malin Byström in der Titelrolle. Sie ist diese von Eifersucht besessene Frau, setzt auf Dramatik in der Stimme und ein Übermaß an Theatralik in ihrer Darstellung. Das schlägt sich auf ihren expressiven Gesang, etwa, wenn sie Cavaradossi das „Attavanti“ entgegenschleudert, den Namen ihrer vermeintlichen Rivalin. In den hohen Lagen klingt ihr Sopran hart. Das „Vissi d“arte“ hebt sie im Liegen an. Klare, saubere Intonation ersetzt sie durch die vokale Darstellung von Emotionen.

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Giampaolo Bisanti setzt auf breiten Vollklang, lässt die Emotionen wie Tsunamis aus dem Orchestergraben wogen. Margarete Wallmanns historisierende Inszenierung funktioniert auch in der 671. Vorstellung und bietet dem Ensemble genug Spielraum, sich in Szene zu setzen. Der Jubel des Publikums wollte nicht enden.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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