
29 Menschen sind in diesem Jahr in den USA hingerichtet worden. Der jüngste war 33, der älteste 77 Jahre alt. Sie kamen aus sechs Bundesstaaten und hatten eines gemeinsam: Alle waren Männer.
Christa Pike wäre am Mittwoch die erste Frau gewesen.
Doch die Hinrichtung der 50-Jährigen in Tennessee scheiterte. Zweimal wurde ihr Pentobarbital verabreicht, danach lebte sie immer noch.
Pike kam in ein Krankenhaus, Gouverneur Bill Lee ordnete eine unabhängige Untersuchung an und sagte die letzte noch für dieses Jahr geplante Hinrichtung in Tennessee ab. Es war bereits der zweite missglückte Versuch in dem Bundesstaat innerhalb weniger Monate.
Einzige Frau im Todestrakt
Für Aufmerksamkeit hätte Pikes Hinrichtung freilich auch ohne die Komplikationen gesorgt. Frauen werden in den USA nur äußerst selten zum Tode verurteilt und noch seltener hingerichtet. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 wurden mehr als 1.600 Menschen exekutiert, nur 18 davon waren Frauen. Derzeit sitzen 45 Frauen in den Todestrakten des Landes, also rund zwei Prozent aller zum Tode Verurteilten.
In Tennessee ist die Ausnahme noch augenfälliger: Seit 1819 wurde dort keine Frau mehr hingerichtet. Pike ist die einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaates. Zum Tode verurteilt wurde sie 1996 für den Mord an der 19-jährigen Colleen Slemmer. Pike selbst war zum Zeitpunkt der Tat 18 Jahre alt.
Wieder im Aufwind
Während Hinrichtungen von Frauen eine Rarität geblieben sind, ist die Zahl der Exekutionen in den USA insgesamt zuletzt kräftig gestiegen. 2024 wurden 25 Hinrichtungen durchgeführt, im Folgejahr waren es 47. Erstmals seit einem Jahrzehnt lag die Zahl damit wieder über 30.
Allerdings ist Amerika auch in dieser Frage weit davon entfernt, ein einheitliches Land zu sein. Zwei Drittel der Bundesstaaten haben die Todesstrafe entweder abgeschafft oder seit mindestens zehn Jahren niemanden mehr hingerichtet.
Der starke Anstieg 2025 hat vor allem eine Adresse: Florida. 19 Menschen wurden dort innerhalb eines Jahres exekutiert, 40 Prozent der landesweiten Gesamtzahl. Außerhalb Floridas waren es 28, nur drei mehr als 2024.
Die Renaissance der Todesstrafe ist also keineswegs eine flächendeckende. Politisch hat sich der Wind allerdings allem voran auf Bundesebene gedreht.
Donald Trump war am 20. Jänner 2025 gerade erst ins Weiße Haus zurückgekehrt, da unterschrieb er bereits ein Dekret mit unmissverständlichem Titel: „Restoring the Death Penalty and Protecting Public Safety“. Die Todesstrafe sei ein „wesentliches Instrument“, um schwerste Verbrechen zu bestrafen und abzuschrecken, heißt es darin.
Zurück auf Kurs
Neu ist Trumps Haltung nicht. Bereits während seiner ersten Präsidentschaft ließ die Bundesregierung 2020 nach 17 Jahren Pause wieder Hinrichtungen zu.
Joe Biden setzte sie 2021 aus. Kurz vor Ende seiner Amtszeit wandelte er zudem die Todesurteile von 37 der 40 Gefangenen im Todestrakt des Bundes in lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung um.
Trump drehte den Kurs in seiner zweiten Amtszeit erneut. Seine Regierung hob das Moratorium auf, setzte das Hinrichtungsprotokoll aus seiner ersten Amtszeit wieder in Kraft und wies das Justizministerium an, die Todesstrafe auf Bundesebene wieder verstärkt zu verfolgen. Im Frühjahr 2026 teilte das Ministerium mit, sie in 44 Verfahren anzustreben.
Nur: Washington ist nicht Florida, Texas oder Tennessee. Über die meisten Todesurteile entscheiden die Bundesstaaten. Der Präsident kann deren Gouverneuren keine Hinrichtung befehlen. Der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



