
Katharina Mark
Unas Opfertod ist Staatsgründungsmythos, Kinderbuchstoff und Rekrutierungsplakat in einem und er muss sich wiederholen. Aus Motiven der Artus-Sage baut Alix E. Harrow eine Zeitschleife: Eine Ritterin, die für Königin und Vaterland fällt, und ein gescheiterter Historiker, der durch ein altes Buch zu ihr in die Vergangenheit reist, müssen deren Legende immer wieder neu erzählen.
Leicht macht es die Amerikanerin ihrer Leserschaft aber nicht. Geschrieben ist der Roman fast durchgehend in der zweiten Person, die Zeitebenen verschieben sich, die Bilder wuchern. Es dauert, bis man ins Buch hineinfindet, streckenweise wird der Lesefluss zäh. Und auch dann bleibt die Liebesgeschichte zwischen Owen und Una blass; sie trägt das Gewicht nicht, das ihr der Roman zumutet.
Wer durchhält, findet dahinter aber mehr als Fantasy. Harrow verhandelt Ehre und Ruhm, gesellschaftlichen Druck und die Erwartungen, an denen eine Heldin zerbricht. Vor allem aber die Frage, wem eine Legende am Ende nützt: Unas Opfertod lebt in Liedern, Kinderbüchern und Staatspropaganda weiter. Dafür, und nicht für die Romanze, hat Harrow, bekannt durch „Starling House“, heuer den Hugo Award bekommen, den wichtigsten Preis des Genres.
Source:: Kurier.at – Kultur



