
Rund um die geplante Schließung des Tiefkühlwerks des belgischen Marktführers Ardo in Groß-Enzersdorf wird hinter den Kulissen heftig gewerkt. Wie berichtet, gab es am Mittwochnachmittag im kleinen Kreise Gespräche im Landwirtschaftsministerium. Mit dabei waren auf der einen Seite: die Ardo-Manager Rob Teunissen, Tijl Goens und Rudolf Steger, der Finanzchef der Ardo Austria Frost GmbH. Und auf der anderen Seite: Minister Norbert Totschnig, der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP) und Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ. Das Land NÖ und der Bund sagten den Belgiern volle Unterstützung bei der Erhaltung des Standorts zu.
Dem Vernehmen nach sollen die Ardo-Manager nächste Woche erneut nach Österreich kommen, um ihre Schließungspläne mit geprüftem Zahlenmaterial zu untermauern. Denn die Belgier sollen behaupten, dass das Werk jährlich Millionenverluste schreibt und mit Gesellschafter-Darlehen gestützt wird.
Zahlenspiele?
Allein eine Stichprobe aus den im Firmenbuch hinterlegten Bilanzen der vergangenen fünf Jahre ergibt hingegen, dass die Ardo Austria Frost GmbH zum Teil operative Jahresgewinne in Millionenhöhe geschrieben hat. Kein Geheimnis ist aber auch, dass der Maschinenpark in Groß-Enzersdorf erneuert werden muss. Angeblich haben die Belgier der österreichischen Spitzenpolitik auch zugesagt, dass sie Zahlenmaterial über die Höhe des Investitionsbedarfs vorlegen werden, den eine Modernisierung des Werks in Groß-Enzersdorf kosten würde. Ardo geht von rund 100 Millionen Euro aus, was sich aber wirtschaftlich für den österreichischen Markt nicht rechnen würde. Branchenkenner glauben, dass dieser Investitionsbedarf zu hoch gegriffen ist.
Diskussionen im Konzern
„Unklar ist, ob die Belgier die Situation bei Ardo Austria Frost nochmals beurteilen, oder ob sie bei der Schließung bleiben“, sagt ein Insider. „Am Konzernsitz in Ardooie soll es Diskussionen geben. Sie überlegen sich, wie sie weitermachen. Derzeit stehen aber alle Zeichen auf Schließung und Verwertung der Anlagen. Ein Sprecher von Ardo wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.
Das Aus des Werks könnte für die Belgier am Ende teuer werden. Laut einem Insider müssten sie bis zu 5,5 Millionen Euro EU-Förderung zurückzahlen und blieben auf der Betriebsliegenschaft mit fünf Hektar Baufläche, die sich in Groß-Enzersdorf im Wohngebiet befindet, sitzen. Dieses wäre de facto unverkäuflich. Da die Belgier den Maschinenpark angeblich auf andere Standorte verlagern wollen, wäre eine betriebliche Nachnutzung unmöglich.
Gemüse aus Belgien?
Ihr Plan soll lauten: Den österreichischen Markt künftig aus Belgien zu beliefern. „Die angekündigte Werksschließung von Ardo gefährdet nicht nur 500 bäuerliche Betriebe, sondern auch die Versorgung mit heimischem Gemüse“, sagt Stephan Pernkopf, Landeshauptfrau-Stellvertreter und Agrarlandesrat Niederösterreichs, zum KURIER. „Hat man vor, die Anlagen abzubauen und die österreichischen Regale mit belgischem Gemüse statt mit österreichischem Spinat und heimischen Marchfeld-Erbsen zu befüllen?“ Nachsatz: „Niemand will, dass die heimische Gemüseproduktion zugesperrt wird und dafür verstärkt Gemüse aus dem Ausland nach Österreich importiert wird. Weder Bauern noch Konsumenten werden sich das nicht gefallen lassen.“ Denn die Konsumentinnen und Konsumenten, die großen Wert auf hochqualitative, heimische Produkte legen, würden diesem Angebot rasch eine Abfuhr erteilen.
Stephan Pernkopf: „Ziel muss sein, die Verarbeitung von heimischem Tiefkühlgemüse auch künftig in Österreich zu ermöglichen.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



