
Die für Ende des Jahres geplante Schließung des Ardo-Tiefkühlgemüsewerks in Groß Enzersdorf schlägt nach wie vor hohe Wellen. Wie berichtet, werden nicht nur rund 240 Beschäftigte ihre Jobs verlieren, sondern auch rund 500 Marchfelder Landwirte, früher bekannt als „Iglo-Bauern“, ihre langjährige Abnehmerin.
Für Mittwochnachmittag hatte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) zu einem hochkarätigen Gipfel in sein Ministerium geladen. Erstmals trafen Top-Manager des belgischen Konzerns auf die heimische Spitzenpolitik. Darunter sollen Konzern- Manager Rob Teunissen, seit 24 Jahren bei Ardo tätig, und der operative Ardo-Vorstand Tijl Goens gewesen sein. Beide sind auch Geschäftsführer der Ardo Austria Frost GmbH in Groß Enzersdorf. „Ardo ist immer gesprächsbereit“, sagte ein Sprecher des Unternehmens schon vor zwei Tagen auf APA-Anfrage.
An dem Termin nahmen auch der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) und Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, teil.
Ausgerechnet nicht dabei waren Vertreter der Genossenschaft Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), deren 500 Gemüsebauern jahrzehntelang als Lieferanten von Ardo Austria Frost GmbH fungieren. Die Genossenschaft beliefert das Werk mit Babykarotten, Erbsen, Spinat, Soja und anderem Gemüse für die Tiefkühlverarbeitung.
Nicht eingeladen
Die Genossenschaft soll auf Wunsch von Ardo nicht eingeladen worden sein. „Nicht unsere Vertretung wollte das nicht, sondern eher unser bisheriger Partner“, sagt Robert Kriegl, der Obmann der ETG-Genossenschaft zum KURIER. Die ETG-Vertreter, so heißt es, sollen erst zu einem späteren Treffen mit allen Stakeholdern eingeladen werden.
Indes versicherte ein Sprecher von LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, dass dieser die Anliegen der betroffenen Gemüsebauern „Tag und Nacht“ vertrete – auch beim Treffen mit den Ardo-Managern.
Zugleich führt auch die Genossenschaft nach eigenen Angaben „intensive Gespräche mit Ministerien, Landespolitik und sonstigen Beteiligten“, um die österreichische Herkunft von Tiefkühlgemüse in den Supermarktregalen zu erhalten.
„Wie das gelingen wird, ist momentan nicht absehbar“, sagt ETG-Obmann Kriegl. „Es geht um die Perspektive für die Bauern in unserem Anbaugebiet.“Nachsatz: „In Zeiten wie diesen einen Standort zu schließen, der eigentlich seine Aufgaben erfüllt hat – das ist natürlich komisch.“
Verarbeitung erhalten
„Das Wichtigste wäre, die Verarbeitung zu erhalten“, sagt Kriegl. „Das Bekenntnis der Kunden zur österreichischen Herkunft hat nur dann einen Wert, wenn wir verarbeiten können.“ Indes planen die Belgier, das Werk in Groß Enzersdorf zu „entkernen“, sprich: die Maschinen abzubauen und den österreichischen Markt von anderen Standorten aus zu beliefern. Ardo hat rund 20 Standorte vor allem in Westeuropa – von den Niederlanden bis Portugal. Groß Enzersdorf ist der einzige Produktionsstandort in Mitteleuropa. „Wenn keine Maschinen mehr da sind, kann auch nichts produziert werden“, sagt Kriegl nüchtern.
Das sagte die Politik nach dem Termin
„Die plötzliche Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf hat die Region und das Land, die Beschäftigten und die Zulieferbetriebe wie ein Donnerschlag getroffen. Trotz der Kurzfristigkeit der Meldung haben sich Bauern, Politik und Sozialpartner sofort zusammengeschlossen und auf allen Ebenen das Gespräch gesucht, um Klarheit über die Pläne von Ardo und die damit verbundenen Konsequenzen zu erhalten. Auch die wichtigsten Abnehmer des österreichischen Handels haben signalisiert, dass sie weiterhin heimische Ware von heimischen Bäuerinnen und Bauern beziehen wollen“, teilte das Landwirtschaftsministerium nach dem Termin mit.
Über das Gespräch wollten Totschnig, Pernkopf und Mayr nur das verraten: „Bei dem Gespräch mit der Ardo-Konzernspitze haben wir …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



