
Mit 16 war Vera Doppler – früher Böhnisch – Popstar, nahm an der ersten Staffel Starmania teil. Danach schlug sie eine andere Richtung ein. Sie wurde zur „radikalen Marketingmaus“, gründete zwei Start-ups und wollte „Marken und Dinge erlebbar machen“. Vor zwei Jahren kam Hannes Freudenthaler auf sie zu. Mit seiner Firma Andmetics produzierte er jahrelang Produkte zur Haarentfernung, doch es kriselte. Er bot Anteile, den Posten als Co-CEO, einen guten Draht ins Drogerieregal und das Versprechen, dass Doppler mit der Firma machen durfte, was sie wollte.
Am 2. April 2025 wurde aus Andmetics A.N.D. Beauty. Die Produkte sind schrill und irgendwie anders. Von HOCL-Sprays oder Magic Eye Sticks hat man in Österreich bislang schließlich kaum gehört. Keine 15 Monate am Markt zählt A.N.D. Beauty 10.000 Verkaufsstellen. Alle namhaften Drogerien – von Rossmann in Deutschland bis Bipa in Österreich – sind aufgesprungen. Auch international wird täglich angeklopft.
KURIER: Von einer verstaubten Marke zu einem Trendprodukt. Wie ging das?
Vera Doppler: Das war ein wilder Ritt. Einlistungsphasen sind nur einmal im Jahr. Also haben wir die wahnwitzige Idee gehabt, innerhalb von sieben Monaten zu rebranden, neue Produkte zu entwickeln, die Auslaufsteuerung der alten Produkte zu erledigen. Das haben wir alles In-House gemacht. Es wurde kein einziger Auftrag extern vergeben.
Mit wie viel Personal?
Am Anfang waren wir circa acht. Es hatte natürlich budgetäre Gründe, aber nicht nur. Wenn du so schnell sein musst, kannst du dir Kontaktschleifen nicht leisten. Du musst am Tisch sitzen und sagen: Das ist der Plan, das tun wir. Ich habe mir einmal ausgerechnet, wie groß dieses Etat gewesen wäre, wenn wir es vergeben hätten. Inklusive Produktentwicklung und Fotografie wären das über 580.000 Euro gewesen.
Der Regalplatz war Ihnen sehr wichtig. Wäre ein reiner Onlineverkauf nicht weniger stressig gewesen?
Das Regal ist ein unfassbar cooler Multiplikator. Ein Verkaufsaufsteller bei Rossmann mit über 3.300 Filialen bringt mir einen Auftragswert von mehr als einer Million Euro.
Und Prestige.
Genau. Ich finde, dass der Handel in einer Zeit, wo alles KI und eine Postkastenfirma ist, eine besondere Wertigkeit hat. Es gibt Legitimation und Echtheit.
Auf Social Media werden die Produkte gerade gehyped. Wie kam es dazu?
Das Grundprodukt muss exzellent sein, aber jedes unserer Produkte hat irgendeinen Zug Innovation in sich. Es kann dir Zeit ersparen oder bringt dir einen Anwendungsfall, den es noch nicht gibt. Ich sage immer: Wenn ich in 30 bis 50 Sekunden nicht erklären kann, warum ein Produkt geil ist und du es brauchst, will ich es nicht.
Woher kommen die Ideen für Innovation?
Ich mache seit Jahren Trend Research, und zwar auf einem ziemlich globalen Level. Es gibt Hypertrends, die entwickeln sich gesellschaftlich. Ein Beispiel wäre Sonnenschutz. In Australasien ist Sonnenschutz ein tägliches Schönheitsmuss. Das ist dort seit 15 Jahren am Brodeln. Es war klar, dass das zu uns kommt. Deswegen haben wir gleich im ersten Regal auf SPF gesetzt, obwohl es das Schwierigste ist.
Ihre Produkte gibt es sogar in Saudi-Arabien und bei Walmart. Stimmt das?
Wir reden da nicht drüber, weil es strategisch und unternehmerisch überhaupt keinen Sinn macht. Unser Unternehmensziel fürs nächste Jahr ist Stabilisierung, um dann die …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



