Nationalbankchef Kocher: „Die Maßnahmen reichen noch nicht aus“

Wirtschaft

Der OeNB-Chef spricht im KURIER-Interview auch über die wieder relativ hohe Inflation.

KURIER: Die Inflation liegt in Österreich wieder bei mehr als drei Prozent. Was kann noch getan werden, damit sie wieder sinkt?

Martin Kocher: Die Geldpolitik kann die Ursachen solcher exogenen Schocks nicht beeinflussen. Sie kann weder die Ölpreise noch die Preise an der Tankstelle oder in der Raffinerie direkt beeinflussen. Aber unser Ziel ist klar, wir müssen dafür sorgen, dass sich die Inflation mittelfristig wieder auf zwei Prozent stabilisiert. Laut aktuellen Prognosen werden wir das Ende 2027 im Euroraum schaffen. Aber das erfordert die richtige Geldpolitik, die zum Beispiel dazu geführt hat, dass wir vor zwei Wochen die Zinsen um 25 Basispunkte erhöhen mussten.

Wie wird es bei den Leitzinsen weitergehen?

Im Juni gab es den ersten und jetzt wieder einen Zinsschritt. Wir haben klar gesagt, und ich halte das für richtig, dass wir angesichts der großen Unsicherheit und durch den Preisschock aufgrund der Lage im Nahen und Mittleren Osten bei jeder Sitzung die Situation neu bewerten.

Jeder Zinsschritt nach oben hemmt auch die Konjunktur, die sich ohnehin nicht so prickelnd zeigt.

Natürlich wirken Zinserhöhungen dämpfend auf die konjunkturelle Entwicklung. Dessen sind sich alle bewusst. Trotzdem muss man verhindern, dass die Inflation zu hoch bleibt oder sich verfestigt. Gleichzeitig zeigt sich die europäische Wirtschaft derzeit robuster als noch vor einigen Monaten erwartet. Selbst im ungünstigsten Szenario, das wir berechnen, wären weder Österreich noch der Euroraum 2027 in einer Rezession. Wir sehen glücklicherweise seit dem Sommer stärkere Signale in der europäischen Wirtschaft für etwas mehr Dynamik. Die Auftragseingänge sind besser. Die Industrie hat sich etwas erholt – in Österreich, aber auch in Deutschland, unserem wichtigsten Handelspartner. Und auch die Stimmungsindikatoren zeigen nach oben. Die konjunkturelle Lage bleibt aber weiter fragil.

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Also gebe es konjunkturell betrachtet noch einen Puffer für eine weitere Zinserhöhung.

Notwendige Zinsschritte werden gesetzt, unnötige Zinsschritte werden vermieden. Zinserhöhungen sind, wie gesagt, immer mit einer Dämpfung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage verbunden und damit natürlich nicht angenehm. Wenn wir das Zwei-Prozent-Ziel auch ohne weitere Zinsschritte erreichen, ist das natürlich vorzuziehen.

Was kann darüber hinaus Österreichs Regierung noch machen?

Ganz offen gesagt: Keine Regierung kann einen solchen externen Preisschock vollständig ausgleichen. Deshalb sollte man sich darauf konzentrieren, die stärksten Auswirkungen für diejenigen abzufedern, die besonders stark betroffen sind. Maßnahmen sollten immer temporär und zielgerichtet sein. Damit kann man extreme Preisausschläge abflachen und besonders belastete Gruppen unterstützen. Aber keine Regierung kann einen solchen Schock für alle ungeschehen machen. Das wäre eine Illusion.

In Deutschland kommt mit 1. Oktober die Spritpreisbremse von 17 Cent je Liter. In Österreich wird sie jetzt reaktiviert. Deutsche Ökonomen kritisieren die Bremse, weil sie nicht zielgerichtet sei und ein Markteingriff. Was wäre richtig?

Welches Signal sendet uns der Preis? Er ist hoch, weil das Angebot knapper geworden ist. Wenn ich jetzt das Preissignal aussetze, dann führt das dazu, dass der Verbrauch höher bleibt, als es angesichts der Knappheit sinnvoll wäre. Gleichzeitig ist mir sehr bewusst, dass viele Menschen in Österreich stark betroffen sind und sich die höheren Kosten kaum leisten können. Deshalb sollte der Fokus auf jenen Gruppen liegen, …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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