
Die Wirtschaftskammer Wien sei eigentlich „nichts anderes als ein Sanierungsfall“, meinte Gerald Zmuegg, Obmann des Kontrollgremiums der Wirtschaftskammer (WKO) und der Freiheitlichen Wirtschaft Wien, im KURIER-Interview. Fast 30 Millionen Euro habe die WK Wien 2024 „ohne feststellbaren Nutzen für Unternehmen“ ausgegeben.
Was er damit meinen könnte, zeigte etwa eine am Mittwoch veröffentlichte Recherche von Kronenzeitung und ZiB2. Sie legt dar, wie die Ausgaben für Marketing und Werbung in der Ära des zurückgetretenen Präsidenten Walter Ruck explodierten. Demnach stiegen die Gagen für PR-Berater von 2014 bis 2024 um das 15-fache – von 64.000 auf 976.000 Euro. Nutznießer waren vor allem die Agenturen von Rudolf Fußi und Wolfgang Rosam.
Die Kammer begründet das mit einem krisenbedingten „erhöhten Kommunikationsbedarf, um die Anliegen und Interessen unserer Mitglieder zu positionieren.“
Der KURIER hat sich auf die Suche nach weiteren Ausgaben der WK Wien begeben, bei denen man die Frage der Wirtschaftlichkeit stellen könnte. Hierfür empfiehlt sich das zivilgesellschaftliche Projekt OffeneVergaben.at, das öffentliche Aufträge über 50.000 Euro auflistet und nachvollziehbar machen soll.
Wer jetzt Rucks Audi fährt
Man erfährt beispielsweise, dass am 17. Juli 2024 ein neuer Dienstwagen angeschafft wurde. Auftragswert: 83.300 Euro. Die WK Wien bestätigt dem KURIER, dass es sich um das neue Dienstauto von Walter Ruck gehandelt habe – ein Audi. Zum Vergleich: Die Leasingrate des Audi A8 von Neos-Staatssekretär Josef Schellhorn liegt knapp über 800 Euro pro Monat.
Zum Modell und der Ausstattung von Rucks Dienstwagen übermittelte die WK Wien keine Details. Sie bestätigt aber, dass Rucks Nachfolgerin Margarete Kriz-Zwittkovits den Wagen übernommen hat. „Die Vizepräsidenten und beiden Direktoren haben keine Dienstfahrzeuge“, heißt es weiter.
Aufstockung des Medaillenvorrats
Ins Auge sticht auch ein Vertragsabschluss mit der Münze Österreich, vom 3. April 2025. Auftragswert: 82.000 Euro. Konkret geht es um die „Aufstockung des Medaillenvorrats und Gravur“. Wofür benötigt die Landeskammer einen Medaillenvorrat in so hohem Ausmaß? „Wiener Betriebe, die ihre langjährigen Mitarbeiter ehren wollten, konnten bei der WKW anlässlich der Dienstjubiläen Ehrenmedaillen beziehen“, heißt es. Ende 2025, also nur acht Monate nach Vertragsabschluss mit der Münze Österreich, „wurde dieser Service aber bereits eingestellt“.
Sollte der Vorrat noch nicht vergriffen sein, dürfte das kein Problem darstellen. Auch Funktionäre erhalten regelmäßig Medaillen oder Ehrennadeln, wie Aussendungen und Social-Media-Postings zeigen. Die Kammer betont jedenfalls: Bei der Auftragssumme habe es sich um eine „Maximalsumme ohne Abnahmeverpflichtung“ gehandelt, der „tatsächliche Bezug lag deutlich darunter“.
„Mehr als 300 Pflanzenwannen“
Über einen durchaus üppigen Auftrag – im Volumen von 170.000 Euro – durfte sich am 14. April 2023 zudem die Marchfelder Gartengestaltung freuen. Die Leistung umfasste laut WK Wien die regelmäßige Pflanzenpflege im Haus der Wiener Wirtschaft sowie am WKO-Campus der Wirtschaftskammer Wien. „Insgesamt sind mehr als 300 Pflanzenwannen, 80 Bodengefäße und drei grüne Wände zu pflegen und kontrollieren“, heißt es.
Die Gesamtsumme lasse sich dadurch erklären, dass gemäß Vergaberecht bei mehrjährigen Verträgen das Vierfache des Jahresauftragswerts anzuführen sei.
Source:: Kurier.at – Politik



