
Herbert Kickl fühlt sich, pardon!, sauwohl. Und das liegt nicht nur am sonnigen Oktoberwetter. Der freiheitliche Parteichef steht bei einer Brücke am Wiener Liesingbach, heute wird gewandert. Das Wort ist ein bisserl zu mächtig. Denn wer die Liesing kennt, weiß: Sie ist kein reißender Gebirgsbach, „Spaziergang“ trifft es vermutlich besser, aber für Herbert Kickl spielt das keine Rolle. „Es muss nicht immer eine Felswand sein!“, sagt er. „Hauptsache an der frischen Luft!“
Und schwups ist man bei einem der großen Themen. Denn noch bevor der Tross den ersten Schritt flussaufwärts gemacht hat, widmet sich Kickl in einer kurzen Rede jener Sache, die hier auffallend viele Besucher triggert: Corona. Der Liesingbach sei einer jener Orte gewesen, wo man sich in der Pandemie getroffen habe. „Wir haben uns gefunden, sind zusammengewachsen“, sagt Kickl. Mit „wir“ meint er all jene, die die Maßnahmen, die Impfpflicht und vieles andere bis heute kränken. Demnächst gebe es im Parlament den von der FPÖ initiierten Corona-U-Ausschuss, verspricht Kickl. „Das wird eine Grillerei!“
Dann geht es wirklich los, und der freiheitliche Klub- und Parteichef bittet die Mitwandernden, ihn bei Gelegenheit „zu zupfen“, sprich: ihn anzusprechen, seine Nähe zu suchen.
Die Erzählung, die Kickls politische Gegner bisweilen strapazieren – der freiheitliche Parteichef sei kein Menschenfreund, ja nachgerade menschenscheu – wird an diesem Nachmittag gebrochen. Kickl gibt sich leutselig, sanft und betont unkompliziert. Nicht nur, dass er jede Menge Selfies von sich machen lässt. Er geht auf die Mitwanderer zu; er schiebt bereitwillig ein Fahrrad, als dessen Besitzer seinen persönlichen Brief an Herbert Kickl aus dem Rucksack nestelt. Und viele der ihm am Weg dargebrachten Geschenke – von frischen Zwetschken bis zu einem aus Medjugorje stammenden Rosenkranz – quittiert Kickl mit einem lächelnden „Mah, is des liab!“
Ungefähr 200 Schritte hinter dem ersten Kinderspielplatz sucht eine drahtige Blondine die Nähe des Parteichefs. Auch sie hat ein Geschenk. Es ist eine Wanderkarte. Eine sehr, sehr alte. „Die ist noch mit dem Original-Bild vom Jörg Haider“, sagt die Frau. Der Parteichef verspricht, das Präsent zu „hüten, wie meinen Augapfel“.
Ringstraße
Die Motive der Mit-Spazierenden sind durchaus verschieden: Da gibt es Frauen, die stolz erzählen, sie seien ungeimpft mit Kickl über die Ringstraße marschiert; manche fühlen sich ungehört, der Magistrat schassle sie ab; und einem ehemaligen SPÖ-Wähler gefällt die FPÖ, weil seine alte Partei „nur noch für Randgruppen anstatt für die Arbeitenden“ auftrete.
Neben Corona gibt es zwei große Themen, die alle umtreiben: die Migration und das Sozialsystem.
Da gibt es den älteren Kappenträger, der aus Favoriten gekommen ist, weil er „daheim nur Türkisch und Arabisch hört“. Und da sind Menschen wie eine Volksschullehrerin aus Liesing, die es als ungerecht empfinden, „dass Leute, die nie etwas ins System eingezahlt haben, Sozialleistungen bekommen, während der Mittelstand später in Pension gehen soll.“
Nach geschätzten sieben Kilometern soll die Wanderung bei einem Heurigen enden. Der genaue Ort wurde vorab nicht verraten.
War’s die Angst vor Gegen-Demos oder Aufruhr? Ein FPÖ-Funktionär vermutet trivialere Gründe: „Hätten wir das Ziel genannt, wären viele einfach gleich direkt zum Heurigen gefahren.“
Source:: Kurier.at – Politik



